BZ 21. März 2018

Ein Stelldichein der Chöre

Sechs Formationen reißen beim Fest der Chöre das Publikum in Merzhausen regelrecht von den Stühlen.

Klaus Zimmer, der durch das abendliche Programm führte, berichtete mit Stolz, dass die Chöre der nahen und auch weiteren Umgebung "Schlange stehen", um bei dieser zur Institution gewordenen Veranstaltung dabei sein zu können. "Wir laden jedes Mal andere Chöre nach Merzhausen ein und wollen damit die ganze Bandbreite der gesanglichen Vielfalt vereinen", so Zimmer, der gleichzeitig auch Ehemann der Vorsitzenden des Chors in Merzhausen ist.

Die Gastgeber eröffneten natürlich das abendliche Programm. Carsten Schulz hatte wie üblich die Leitung des Chores inne. Ihn bezeichnete der Moderator als virtuosen Pianisten, fabelhaften Arrangeur und grandiosen Chorleiter. Und das zu Recht. Denn zusammen mit den vielen Sängern auf der Bühne erzeugte er die richtige Stimmung für den Auftakt eines grandiosen Abends. Mit "Puttin‘ on the Ritz", dem jazzigen Höhepunkt ihres Auftritts, forderten die Sängerinnen und Sänger alle dazu auf, "sich in Schale zu werfen", um sich im mondänen Hotel Ritz unter die Elite der 30er Jahre zu mischen.

Erster Gastchor war Vauban Vocal unter der Leitung von Almut Schuster. Den aus nur 15 Sängern bestehenden Chor gibt es seit 2004 und was er präsentierte, war eine sehr spannende Reise durch verschiedene Länder. Dazu mussten die Sängerinnen und Sänger neben ihrer deutschen Muttersprache auch Schwedisch, Ungarisch und Russisch singen, was nicht gerade zum alltäglichen Sprachgebrauch eines jeden Chores zählt."Wir singen nur das, was wir mögen und werden von Zeit zu Zeit immer besser damit", so zitierte Klaus Zimmer den Chor, der in die Probenarbeit extra Muttersprachler einlud, um die Stücke bestens präsentieren zu können.

Dann betrat der Chor Intermezzo aus Ihringen die Bühne. Chorleiterin Annika Endres hatte alle Stücke selbst arrangiert und dabei Lieder wie "No roots" von Alice Merton, "Musik sein" von Wincent Weiss und "Clocks" von Coldplay für den Chor umgeschrieben. Spannend an diesem Chor ist, dass er zum 140-jährigen Bestehen des Männerchors erst vor etwas mehr als einem Dutzend Jahren gegründet wurde, mittlerweile aber mehr Sänger hat, als der ursprüngliche Männerchor. "Wir sind sehr stolz auf unsere beiden Chöre", hieß es aus den Reihen des Chors.

Der Chor Never give up aus Freiburg hatte neben zahlreichen Sängern auch Geige, Klavier und Drums zur Begleitung dabei. Susanna Stauber hatte die Leitung inne. Der Gospelchor begeisterte das Publikum ungemein. Die Besucher durften mitsingen und honorierten den Auftritt mit "Zugabe"-Rufen.

Der Männerchor aus Merdingen mit Chorleiterin Diana Schmidt spannte einen Bogen von den Toten Hosen mit "Tage wie diese" hin zu dem Evergreen der Nilsen Borthers "Aber dich, gibt’s nur einmal für mich".

Den krönenden Abschluss bildete der Chor Different Voices aus Freiburg mit Chorleiterin Christin Kunzmann. Besonders gut kamen die beiden letzten Stücke an, die in Mundart vorgetragen wurden. Das Alemannische Volkslied "Guet Nacht" verabschiedete die vielen Besucher des Konzerts in die Nacht. Nicht jedoch, bevor der traditionelle Kanon aller Anwesenden den Schlusspunkt eines wunderbaren Abends setzte.


Bild: Ulrike Zimmer

 



BZ 25.10.2017

Getragen von einem Geist

Die Merzhauser Sänger von Chorioso reißen die begeisterten Zuschauer beim Gospelkonzert mit.       

MERZHAUSEN. Nicht gerade zur Gemeinde, aber zur Gemeinschaft machte "Chorioso", der vielseitige Merzhausener Chor mit seinem Leiter Carsten Schulz, sein Publikum im Forum. Das Konzert mit dem Thema "Gospel" hatte hohe Erwartungen geweckt. Die wurden nun nicht nur erfüllt, sondern womöglich noch übertroffen.

Von der ersten Note an entwickelten Chor, Dirigent und Solist eine Dynamik, der sich wohl niemand im vollbesetzten Saal entziehen konnte. Es waren gleich mehrere Komponenten, die dazu beitrugen: zunächst einmal das Genre "Gospel", das längst seinen festen Platz in der christlichen Popmusik gefunden hat. Dennoch ist es stets ein Wagnis für einen mitteleuropäischen Chor, sich in dieser Musikform zu versuchen, die auf einem anderen Kontinent, nämlich in den Südstaaten Nordamerikas, und unter anderem aus dem Leid der dort bis ins späte 19. Jahrhundert hinein geknechteten afrikanischen Sklaven entstanden ist. Was das bedeutete, lässt sich heute nur noch ahnen, dass daraus eine weltweite Bewegung geworden ist, grenzt allerdings an ein kleines Wunder.

Ein weiterer Erfolgsgarant ist wohl die Botschaft, die "Gospel" enthält, wie Sänger Malcolm Green in seiner Begrüßung klarstellte. Denn diese afroamerikanische Stilrichtung bedeutet "Evangelium, gute Nachrichten, frohe Botschaft im christlichen Glauben". Gemäß dem ihr innewohnenden Stellenwert der Brüderlichkeit forderte er denn auch gleich zu Beginn die Zuhörer auf, sich die Hände zu reichen, ungeachtet ihrer weltanschaulichen Orientierung – und es funktionierte.

Die Sängerinnen und Sänger hatten diesen Werdegang offensichtlich schon längst absolviert, so homogen, so getragen von einem Geist kam all das daher, was sie zusammen mit Carsten Schulz vorbereitet hatten. Verstärkt wurde der Merzhausener Chor von versierten Kolleginnen und Kollegen vom Freiburger Gospelchor, den Schulz bereits seit mehr als 30 Jahren ebenfalls leitet. Man habe, verriet Ulrike Zimmer als Chorsprecherin, nur ganz wenige gemeinsame Proben gebraucht, um zu diesem Konsens zu gelangen. Fast schon selbstverständlich, aber hoch anerkennenswert: Alles wurde auswendig gesungen, nicht ein Notenblatt störte den Blick auf die Sänger und damit das Bild eines in völliger Übereinstimmung mit seinem Leiter agierenden Klangkörpers.

Malcolm Green, Afroamerikaner und schon seit vielen Jahren als Musiklehrer in St. Gallen tätig, konnte der Chor für das Konzert gewinnen. Ihn verbindet eine langjährige Freundschaft mit Schulz. Im Forum dürfte er einige Freunde hinzugewonnen haben. Stimmgewaltig, ausdrucksstark, frei von jeder falschen Attitüde, aber voller Humor gab er die Richtung vor – auch mal bei Rundgängen durch den Saal und gekonnten Saxophoneinlagen. Ihm folgte man gern, wenn er zum gemeinsamen Schnippen, Singen und Antworten in der für Gospel typischen Kommunikationsform aufforderte. Eine Powerpoint-Präsentation von Ulrike Zimmer ersetzte das sonst übliche Programmheft, und machte das Mitsingen, etwa der Klassiker "Oh Happy Day", "Sunday, Monday, Tuesday" oder "Everything is goin’ to be alright, when Jesus comes", möglich. Sogar in Zulu und Suaheli durften sich die Gäste versuchen, die denn auch dem Chor noch so manche Zugabe abhandelten.

 

BZ 28.03.2017

Vielseitig und stimmgewaltig

Sechs Ensembles und eine ausgezeichnete Akustik begeistern beim "Fest der Chöre" im Forum Merzhausen zahlreiche Besucher.

           Mit munteren Nummern sorgte der Gastgeber „Chorioso“ gleich zu Beginn des Abends für gute Laune. Foto: Freyer

MERZHAUSEN. Nicht weniger als sechs Chöre gaben sich beim nunmehr fünften "Fest der Chöre" im Merzhausener Forum am Freitag ein Stelldichein. Freunde des Chorgesangs aus weitem Umkreis füllten den schönen Saal mit seiner ausgezeichneten Akustik bis auf den letzten Platz.

Chorioso-Moderator Klaus Zimmer stellte in seiner Begrüßung ausdrücklich klar, dass nicht etwa ein Wettsingen zu erwarten sei, sondern eine Demonstration der großen Vielfalt, die der Chorgesang zu bieten habe. Was der Saal dann erlebte, übertraf womöglich noch die damit geweckten Erwartungen.

Zum "Aufwärmen", so die Ansage, fand sich entgegen den sonst üblichen Gepflogenheiten der gastgebende Chor "Chorioso" auf der Bühne ein und erzeugte, dirigiert von seinem bewährten Leiter Carsten Schulz, mit seinen munteren Nummern die gute Laune, die den ganzen Abend über anhalten sollte: mit den "Süßesten Früchten", einem Erfolgsschlager aus der Wirtschaftswunderzeit, über zwei Lieder der Gruppe "Vielharmoniker", "Vampir-Tango" und "Italienisch klingt so wunderbar", bis zu dem Gospel "It’s me oh Lord" als Vorgeschmack auf das für den 21. Oktober angekündigte Konzert zu diesem Thema. Alle vier Nummern hatte Carsten Schulz neu arrangiert.

Den Schwung dieser Einleitung nahm der Chor "Quer Beat" aus Bad Krozingen gerne auf. Die 20 Sängerinnen, die sich seit 2014 regelmäßig treffen und zusammen mit ihrer Leiterin Heike Binder musizieren, schlugen zunächst um einiges leisere, aber sehr berührende Töne an. Mit viel Gefühl intonierten sie Welterfolge, die offensichtlich nicht nur zu ihren Lieblingsliedern, sondern dem Beifall nach auch zu denen vieler Zuhörer gehören: das südamerikanische Volkslied "Un poquito cantas", Paul Simons "The Sound of Silence", eine Nummer aus dem Film "Die Kinder des Monsieur Mathieu" und das melancholische "Mad World." Die sensible Begleitung am Klavier lieferte der bekannte Pianist Zsolt Lendvai.
Viel Mainstream, verblüffend authentisch ungesetzt, hatte der 1995 gegründete "Jazzchor Offenburg" im Gepäck.Erteilt sich den Dirigenten Carsten Schulz mit den Merzhausenern. Wer kennt sie nicht, die Welthits "Fame", "Route 66", die von unzähligen Interpreten gesungene Erfolgsnummer aus den 1920er Jahren "Honey Succle Rose" oder Duke Ellingtons "It don’t mean a thing". Entsprechend begeistert war der Beifall für diese Darbietung, woran der Dirigent am Flügel maßgeblich Anteil hatte. Ganz anderer Art war der Beitrag des hier "Projektchor" genannten Ensembles mit Chor und Instrumentalisten aus Bollschweil, St. Ulrich und Sölden: der Auszug aus der Tonschöpfung "Sonne, Mond und Sterne". Diese war dem Bollschweiler Chorleiter Fritz Haege durch Vermittlung eines Merzhausener Kollegen in die Hände gefallen. So gab es ein willkommenes Wiederhören mit außergewöhnlichen Vertonungen von Dichtern wie Andreas Gryphius, Paula Dehmel, Friedrich Schiller und aus "Des Knaben Wunderhorn".

Nicht nur einen Ohren-, sondern auch einen Augenschmaus nannte Klaus Zimmer den Chor "Querbeat Rieselfeld" – mit Recht. Die fröhlichen Farben des Outfits der Sängerinnen und Sänger passten zu den Liedern, die sie mitgebracht hatten: von Ellingtons Klassiker "Hit me with a hot note" über Colemans "Rhythm of life" bis zu "Paradise" aus dem Jahr 2011. Chorleiterin Sabine Pander hatte es verstanden, ihrer starken Truppe den rechten Geist des Swing zu vermitteln. Aber auch der als letzter auftretende "Gospelchor Todtnau" rief wahre Begeisterungsstürme hervor, sowohl für seine Vielseitigkeit als auch seine Stimmgewalt. Herbert Kaiser ist es gelungen, diese spezielle Art der geistlichen Musik mit Ursprung in den amerikanischen Südstaaten zu einer vielseitig einsetzbaren Kunstform zu machen. Als stimmgewaltige Solisten, teils im Duett, glänzten Marga Lederle und Andreas Klauser, unterstützt von ihrem Chor, der sich durch punktgenaues Setzen der Akzente und präzise Handhabung von Lautstärke und Tempi auszeichnet.

Als Schluss und Höhepunkt versammelten sich alle Akteure auf der Bühne und intonierten, angeleitet von Herbert Kaiser, einen Swing-Kanon, bei dem das Publikum ausdrücklich zum Mitsingen eingeladen war – ein großartiges Finale, das Hoffnung auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr machte.
 


BZ 16.11.2016
"Geniales, Triviales, Fatales" macht Lust auf mehr
Zu seinem Konzert im ausverkauften Forum Merzhausen holt sich Chorioso gesangliche Unterstützung von Susanne Stauber


Solistin Susanne Stauber unterstützt den Chor Chorioso. Foto: Anne Freyer

MERZHAUSEN. Ein richtiges Gute-Laune-Programm hatte Chorioso, der muntere Chor aus Merzhausen und Umgebung mit sangesfreudigen Damen und Herren aller Altersstufen, für sein jüngstes Konzert zusammengestellt. Dabei bediente man sich zunächst reichlich aus dem Fundus, den die Zwischenkriegsjahre hinterlassen haben, unterstützt von der Solistin Susanna Stauber.

Wer kennt sie nicht, die Erfolgsnummern aus den 20er- und 30er-Jahren, immer wieder gern interpretiert und gehört. Im ausverkauften Forum – es mussten noch Stühle dazugestellt werden – wies denn auch Klaus Zimmer gleich darauf hin, dass Bekanntes zu erwarten sei, wenn auch nicht gerade zum Mitsingen. Denn Chorleiter Carsten Peter Schulz hatte für jedes der unter dem Motto "Geniales, Triviales, Fatales" vorbereiteten Lieder ein Arrangement vorbereitet, das den Möglichkeiten des Chors gerecht wurde und ihnen so einen frischen Anstrich verlieh.

Unterstützt wurde er dabei von der Sopranistin Susanna Stauber, die sich als Sängerin ein großes Repertoire, insbesondere in der Abteilung Frivoles aus den frühen Jahren des vergangenen Jahrhunderts, erarbeitet hat – inklusive passender Verpackung, mal als Femme fatale mit Strapsen, enger Korsage und Federboa, mal als Grande Dame in lang und mit großer Geste. So war sie denn nacheinander die "Fesche Lola" mit dem Pianola, die "Kleptomanin" frei nach, aber doch nahe an Friedrich Holländer, die Frau, die klagt "Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre", einst Markenzeichen der Marlene Dietrich, oder mit dem Evergreen "Lass mich dein Badewasser schlürfen" die unvergesslichen Comedian Harmonists heraufbeschwörend, mal als Solistin, mal verstärkt durch den Chor. Dessen Leiter überzeugte bei all dem als versierter Pianist. Bereits 1932 für ein jiddisches Musical geschrieben, schaffte es "Bei mir bistu shein (jiddisch etwa "Für mich bist du schön")" schon 1938 den Sprung über den großen Teich und wurde durch die Andrews Sisters als Swingstück weltbekannt. Susanna Stauber interpretierte es als das von Galgenhumor getragene "Nun erst recht"-Stück, das immer wieder durch seine Aussage überzeugt, gewann damit endgültig die Herzen ihres Publikums und leitete außerdem zu dem Titel "Hey Mister Miller" über, einer Hommage an einen der prägenden Komponisten auf dem Gebiet Bigband-Swing. Der Chor eröffnete damit den zweiten Teil des Konzerts und wandte sich dann einer weiteren unsterblichen Erfolgsnummer des legendäre Sextetts Comedian Harmonists zu, das seitdem in unzähligen Versionen durch die Säle und Kleinkunstbühnen der Republik geistert: "Wochenend und Sonnenschein". Klaus Zimmer drängte sich bei dieser Gelegenheit der Vergleich des Dargebotenen mit einem gut zubereiteten Essen auf, womit er wohl nicht ganz falsch lag. Der unwiderstehliche "Waldemar" gehörte ebenso dazu wie Holländers "Zersägte Dame", bei deren Interpretation das komödiantische Talent von Stauder als Berliner Göre so recht zur Geltung kam, ebenso wie bei ihrem frechen Song "Wegen Emil seine unanständ‘ge Lust", mit dem die legendäre Claire Waldoff in den "Goldenen Zwanzigern" das vergnügungssüchtige Berlin aufmischte.

Und dann überraschte der Chor mit zwei Nummern, die so noch nicht zu hören waren: "Rinderwahn" und "Italienisch klingt so wunderbar", beide mit viel Wortwitz und sehr akzentuiert dargebracht: Max Raabes originelle Beleuchtung des Themas "Mensch und Tier" die eine, eine Mischung aus Huldigung und Spottlied die andere.

Das weckte Lust auf mehr und gibt zu der Hoffnung Anlass, dass der Chor auf diesem Weg weiterschreiten möge – das Zeug dazu hätte er.


BZ 16.03.2016
Beste Werbung fürs Singen im Chor
Das vierte Fest der Chöre in Merzhausen führt durch verschiedene musikalische Richtungen, Sprachen und Jahrhunderte.

MERZHAUSEN. Kein Chorkonzert ohne Werbung um Nachwuchssänger, so auch beim vierten Fest der Chöre im Merzhauser Forum. Dass diese Bemühungen auf fruchtbaren Boden fallen, zeigte sich in vielfältiger Form beim Auftritt der sieben Chöre aus der näheren und weiteren Nachbarschaft. Gastgeber Chorioso aus Merzhausen konnte zufrieden sein.Mehr noch: Das Fest der Chöre hat sich zu einem Erfolgsmodell entwickelt, das aus dem kulturellen Jahresgeschehen nicht mehr wegzudenken ist. Chorioso-Vorsitzende Ulrike Zimmer war eine Zusammenstellung ganz unterschiedlicher Gruppen gelungen, die aber bestens zusammenpassten und dem begeisterten Publikum im vollbesetzten Saal einen genussreichen Abend bescherten, moderiert von Ehemann Klaus Zimmer. Mit seiner Mischung aus Charme, Witz und Informationen dürfte er den einen oder anderen Gast zum Mitsingen in einem Chor seiner Wahl animiert haben.
Chorioso begrüßte seine Gäste mit einer abwechslungsreichen Liedfolge, einstudiert und dirigiert von Carsten Peter Schulz, der den Chor seit Anfang 2015 leitet. In dieser Zeit ist er nicht nur dem seit der Gründung 2000 selbstgestellten Anspruch als "Chor, der statt schwerer Chorwerke eher zu eher ungezwungen lockeren Themen neigt", gerecht geworden, sondern hat ihn womöglich noch deutlicher herausgearbeitet. Als "Mann am Klavier" führte er die muntere Truppe souverän, umsichtig und in Takt und Tonalität punktgenau durch ihren Programmteil: von einer "Summer Samba" über eine Rockballade ("Seasons of Love") und ein Gershwin-Sinatra-Medley bis zur bejubelten Schlussnummer "Lieselotte, lass uns auf die Wiese geh’n". Um ihrer Einladung Nachdruck zu verleihen, nahmen die Herren sogar Blümchen in die Hand – wer kann da widerstehen? Musikalisch war das Werk angelehnt an Luigi Boccherinis Menuett.
Vielseitig zeigten sich auch die "Femmes Vocales", ein sympathischer Frauenchor, dirigiert von Johannes Büttner, sprachlich versiert und, ebenso wie Chorioso, darauf bedacht, alle Lieder im Original zu singen. Manches Bekannte aus der glorreichen Rock- und Pop-Ära der achtziger Jahre war zu hören, etwa Supertramps "The logical song", aber auch aus weiter entfernten Weltgegenden, etwa ein jiddisches Lied, worin es um Bäume als Sehnsuchtssymbole geht. Mit Inbrunst, Hingabe und unverfälschten Naturstimmen gelang es sogar, einen Titel aus dem Liedschatz der Roma-Kultur wiederzugeben. Mit selbstbewusstem Auftritt, kraftvollen Stimmen und einem vielsprachigen Repertoire überzeugten die "Arion Singers" aus Waldkirch und ihr Chorleiter Benedikt Lorse. Da gab es ein Wiederhören mit Erfolgshits von Freddy Mercury und Leonard Cohen, aber auch den Klassiker "Viva la Vida" von Coldplay. Klaus Zimmer wusste zu berichten, dass dieser Chor ein neues Repertoire erarbeitet hat, das er geschickt umzusetzen weiß, etwa in der Verteilung der Stimmen gemäß den Soloparts der berühmten Vorbilder.
Ihren Entschluss, einen reinen Männerchor eingeladen zu haben – ein Novum beim bisher den gemischten Chören vorbehaltenen Fest der Chöre – dürfte Ulrike Zimmer nicht bereut haben. Denn der Männergesangverein Norsingen passte mit seinen "Barbershop Songs" perfekt ins Programm: originell und gesanglich auf hohem Niveau. Chorleiter Ruben Viertel und seine Mannen haben sich bereits eine regelrechte Fangemeinde ersungen – sie dürfte sich nach dem Auftritt in Merzhausen noch vergrößert haben, der stürmische Beifall lässt dies vermuten. Sie sind aber auch ein Genuss, diese unangestrengt und dabei höchst präzise dargebrachten Liedchen, meistens Huldigungen an Damen namens "Laura", "Eveline" oder "Luise", intoniert von einer Riege Gentlemen, wie man – und vor allem frau – sie sich nicht wohlerzogener, dezenter und einfühlsamer wünschen kann.
Durch verschiedene Sprachen und Jahrhunderte bewegte sich der gemischte Chor St. Georgen, den Joachim Rohrer erst in diesem Jahr übernommen, aber bereits gut im Griff hat. Er eröffnete mit einem Werk aus dem frühen 17. Jahrhundert und landete schließlich bei den Wise Guys mit dem "Rendezvous" und "Wie kann es sein", ein Vorgeschmack auf das Abschiedskonzert der A-cappella-Truppe demnächst in Freiburg. Petra Buroschek aus Heitersheim, bekannt durch spektakuläre Auftritte mit ihrem gemischten Chor, war diesmal mit einem Frauenchor und Kompositionen von Cole Porter und Peter Plate da, von ihr selbst neu arrangiert. Den Abschluss bildete schließlich das "Klangwerk.Pop" aus Kollnau und Gutach, eine junge, vielköpfige Truppe, laut Ansage hervorgegangen aus dem dortigen Mandolinen-Verein. Sie brachten beliebte Weisen von Peter Gabriel und den Beatles zu Gehör, neu arrangiert von Chorleiter Hans Zimmermann und unterstützt von Rhythmusinstrumenten. Zum Finale waren alle Chöre zum gemeinsamen Singen des Schlusskanons eingeladen.


BZ 24.11.2015
Rätselraten um den Kontrabass 
Zum 15. Geburtstag des Merzhauser Chorioso-Ensembles geht es auf eine Zeitreise ins vorige Jahrhundert

  1. Konzentriert und stimmgewaltig sangen die Chorioso-Mitglieder aus Anlass des 15. Geburtstages ihres Vereins im Saal des Merzhauser Forums.

  2. Markus Lechner (Bass), Stephan Oberländer (Saxophon) und Friedemann Stert (Schlagzeug) bereicherten das Konzert. Fotos: ralph fautz

MERZHAUSEN. Drei renommierte Orchestermusiker, ein Kontrabass mit mehr als 100 Jahren auf dem Buckel und ein fantastisches Publikum – der 15. Geburtstag des Chorioso-Chors im Forum Merzhausen am Samstagabend war ein Ohrenschmaus der besonderen Art in einem gut gefüllten Saal. Mal instrumental, mal stimmgewaltig oder in einer perfekten Symbiose zwischen Chor und Instrumentalisten ging es auf eine musikalische Zeitreise ins vergangene Jahrhundert und darüber hinaus.

Die goldenen Zwanziger waren zwar schon vorüber, aber dem Jazz in den Vereinigten Staaten tat das keinen Abbruch: "Take the A-Train" von Billy Strayhorn entführte die Gäste ins New York der 1930er Jahre. Stephan Oberländer konnte in kleineren Soloeinheiten das Potenzial seines Könnens auf dem Saxophon voll ausschöpfen und gab dem Stück die typische musikalische Note aus jener Zeit, deren Nachwirkungen Jazz und Swing bis heute bereichern.

Vom umtriebigen New York Ende der 1930er Jahre zurück nach Europa und in die Zeit der Zigeuner: Robert Schumanns "Zigeunerleben" zeichnete eine romantisierte Vorstellung vom Leben der Fahrenden, die fernab der Heimat ihr Glück suchen und doch auf eine tragische, ja fast schon melancholische Weise auf immer mit ihr verbunden sind. Das flotte Klavierspiel von Carsten Peter Schulz und der Gesang des Ensembles ließen vor dem geistigen Auge Planwagen und Frauen mit schwarzem Haar erscheinen.

Einmal mehr wurde das Können des Chorensembles bei Paul Simons Klassiker "Bridge over troubled water" deutlich: Während die Männer zunächst den Gesang dominierten, folgte der Rest des Chors umgehend und vervollständigte den Gesang, sodass ein voller, mehrstimmiger Klang dem Song erfolgreich die gewohnte Tiefe verlieh.

Lockere Stücke, teils neu arrangiert und in Originalsprache, sind das Erfolgsrezept dieses Chors, der sich bewusst von schweren Chorwerken abheben will und die Leichtigkeit und Freude am Singen lebt. Mit Carsten Peter Schulz hat der Chor seit März dieses Jahres einen Leiter mit ausgezeichneter Reputation. Der Organist und Posaunist aus Heidelberg dirigierte bereits als Abiturient sein erstes Sinfoniekonzert. Durch seine Kontakte zu verschiedenen Funk- und Fernsehorchestern konnten mit Stephan Oberländer, Markus Lechner (Kontrabass) und Friedemann Stert (Schlagzeug) drei Orchestergrößen für den Jubiläumsabend gewonnen werden. Waren die meisten der aufgeführten Lieder schon verhältnismäßig alt, der Kontrabass war noch älter – und das sah man ihm im positivsten Sinne des Wortes an.

Der Kontrabass hat zwei Weltkriege mitgemachtIn der Pause war er eines der Gesprächsthemen, sodass Lechner die begeisterten Gäste schließlich aufklärte. Wie alt sein Instrument genau sei, das wisse er nicht, aber sicher mehr als hundert Jahre. Damit hat er, nachdem er von der Musikmanufaktur Sternberg in Budapest gefertigt wurde, zwei Weltkriege überlebt und begeisterte neben dem einwandfreien Klang auch durch seine dezenten Verzierungen.

In 15 Jahren präsentierte der Chor 200 Musikstücke und absolvierte etwa 40 Auftritte. Dass dieser Abend nicht einfach so zu Ende gehen konnte, lag schon vorher in der Luft. Mit zwei Zugaben war das Publikum dann einverstanden, ehe es mit "One more song" dann verabschiedet wurde.
Der Abend bot eine harmonische Mischung aus meist englischsprachigen Liedern und Stücken, in denen das Orchestertrio mal alleine, mal nur mit dem Piano oder zusammen mit dem Chor zur Geltung kommen konnte. Für eine spontane Überraschung sorgte die Merzhauser Chormitglieder dann kurz vor Schluss selber, als sie einer sichtlich verdutzten, aber lachenden Vorsitzenden Ulrike Zimmer ein kleines Jubiläumspräsent überreichten.

Info: Das Ensemble Chorioso steht Interessierten immer offen und probt mittwochs zwischen 17.30 und 19 Uhr im Alois-Rapp-Haus, Am Marktplatz 3, in Merzhausen. Weitere Informationen gibt es unter http://www.chorioso-merzhausen.de

BZ 25.03.2015
Singen – aus Spaß und Freude
Rund 190 Sängerinnen und Sänger begeisterten beim Fest der Chöre auf Einladung von Chorioso im Forum Merzhausen das Publikum.

                     

MERZHAUSEN. Freiburg ist eine Hochburg des modernen Chorgesangs: Diesen Beweis erbrachten fünf Freiburger und ein Merzhauser Chor mit rund 190 Choristen beim 3. Fest der Chöre im Forum. "Wir wollen keinen Wettbewerb veranstalten, sondern zeigen, dass Singen Spaß und Freude macht", sagte Ulrike Zimmer, Vorsitzende des gastgebenden Chors Chorioso. Und in einem facettenreichen Programm gelang das dem kleinen Männerensemble genauso gut wie den gemischten Chören oder dem reinen Frauenchor.

"Herzlich willkommen zum offenen Singen", begrüßte Moderator Jürgen Theis das Publikum im nahezu vollbesetzten Forum und kündigte an "Sie werden verschwitzt und erschöpft nach Hause gehen". Was viele Zuhörer zunächst für einen Scherz hielten, wurde gleich darauf fröhlicher Ernst. Ein Liedtext wurde an die Wand geworfen, die Sänger von Chorioso sangen vor und bald der ganze Saal im Kanon nach. Derart aufgewärmt stürzten sich Publikum und Sänger gleichermaßen in ein Programm, das vor Höhepunkten nur so strotzte.

Flott und schwungvoll machten die Gastgeber den Auftakt mit dem Lied "Ain’ t she sweet". Seit sechs Wochen erst stehen die rund 35 Sängerinnen und Sänger von Chorioso unter der Leitung von Carsten Schulz. "Wir kennen uns inzwischen schon ein bisschen", sagte dieser Jürgen Theis ins Mikrofon. "Die Sänger haben verstanden, was ich will, wenn ich sage, sie sollen schärfer singen". Zum Einstand gab es deshalb Karottenkuchen und Peperoni. Das Repertoire aber bleibt auch unter der neuen Leitung breit. "Von Bach bis Krach und dazwischen noch ein bisschen Samba und Pop", meinte Schulz. Und so ging es im Programm auch weiter. Mit dem schmissig inszenierten Popklassiker "Can’t buy me love" von den Beatles und dem Tequila Samba von Guy Turner rundete Chorioso seinen abwechslungsreichen Beitrag ab.

Gekonnt mehrstimmig präsentierte sich das kleine Freiburger Männergesangsensemble "Gentimentals" unter Leitung von Patrick Heil. "Wir wollten einmal singen, ohne dass uns Frauen überstimmen", erklärte Ensemblemitglied Urs Ernst die Abwesenheit von Frauen in seinem kleinen Männerchor mit Anspielung auf die schwache Besetzung mit Männern in vielen Chören. Allgegenwärtig seien die Frauen dennoch - im Repertoire nämlich. Darin werden sie und die Liebe immer wieder aufs Neue besungen. Und so boten die acht sangesfreudigen Herren mit Liedern wie "Hello Mary Lou" und "Mister Sandman" einen stimmungsvollen Mix aus vokaler Pop-Art, der das Publikum zu Bravo- und Zugaberufen hinriss. Da letztere angesichts des großen Programms nicht vorgesehen waren, ging es nahtlos weiter.

Doch dem Chor "Pro vocal", dem Erwachsenenchor der Musikschule Freiburg, gelang es schnell, die Enttäuschung über die entgangene Zugabe wettzumachen. Unter der Leitung von Birgit Schill hatte sich der Chor ganz dem Thema Afrika verschrieben und bot, begleitet von einem Percussionisten, neben zwei traditionellen Zulu-Liedern, ein bemerkenswertes Arrangement des 80er-Jahre-Pop-Hits "Africa" von Toto. Dass sie nicht nur punktgenau singen und intonieren können, stellten die rund 35 Sängerinnen und Sänger anschließend unter Beweis. Händereibend, schnipsend, klatschend und stampfend evozierten sie ein Gewitter in der Savanne, das sich gewaschen hatte. Ein solches Feuerwerk aus Songs und Lieder, Tönen und Klängen erlebt das Forum auch nicht alle Tage.

Der Swing Chor unter der Leitung von Ansgar Rettner schloss daran nicht nur nahtlos an, sondern setzte dem Abend mit seinem Beitrag ein besonderes Glanzlicht auf. Mit Swingklassikern wie "Beyond the Sea" und schwungvoll interpretierten Popsong wie "Fix you" von Coldplay machte der Swing Chor seinem Namen alle Ehre. Gute Laune und lateinamerikanisches Flair versprühte der Chor "Chorart". Ob Samba, Marimba oder Tango – der Chor unter der Leitung von Beata Veres-Nonnenmacher wusste zu überzeugen. "Ein kunterbuntes Repertoire" stellte zum Abschluss der Frauenchor "Just for fun" in Aussicht. Da waren gefühlvolle Balladen wie "You are so beautiful" genauso darunter wie der "Libertango" von Astor Piazzolla. Mit sichtlicher Lust an der Choreographie, mitunter keck und mit einem Augenzwinkern, immer aber mit unverkennbarer Freude am Singen boten die Sängerinnen unter der engagierten Leitung von Christiane Laube auch Heiteres wie das Lied "Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann".

Blieb dieser Wunsch auch unerfüllt, das Publikum war am Ende des langen Konzertabends wunschlos glücklich. Obwohl? "Ich will noch Kanon singen", ließ sich ein Zuhörer gespielt trotzig vernehmen. Doch das in Aussicht gestellte Finale mit dem eingangs geprobten Kanon fiel der fortgeschrittenen Uhrzeit zum Opfer. Schade, es wäre das Tüpfelchen auf dem "i" gewesen.


Badische Zeitung,  01.10.2014
Chöre agierten mit ansteckender Begeisterung
Gemeinsam führten die Ensembles CHORioso aus Merzhausen und Mixed Voices aus Ehrenkirchen die Jazzmesse auf.

Die Sänger der Chöre Mixed Voices Ehrenkirchen und Chorioso Merzhausen meisterten das anspruchsvolle Konzert. Foto: Anne Freyer

EHRENKIRCHEN. Ein ganzes Jahr lang, bis August 2015, steht die Orgel der Wallfahrts- und Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt im Mittelpunkt des Interesses. Denn in diesem Jahr wird mit Konzerten gleich ein doppeltes Jubiläum gefeiert: ihre Vollendung vor 200 und ihre gründliche Renovierung vor 100 Jahren. Bei der jüngst aufgeführten Jazzmesse allerdings schwieg die Orgel, jedoch kommt ihr der Erlös aus den Eintrittsgeldern zugute.

Das Wort Messe in des Wortes musikalischer Bedeutung bezeichnet seit dem 14. Jahrhundert die mehrstimmige Vertonung eines festgelegten Ordinariums, beginnend mit Kyrie und endend mit Agnus Dei. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Gattung der Konzertmessen, die so bedeutende Komponisten wie Bach, Beethoven oder Schubert, um nur einige zu nennen, geschaffen haben und die immer wieder in glanzvollen Interpretationen zu hören sind. Johannes Matthias Michel ist einer der zeitgenössischen Kirchenmusiker, die diese Reihe fortführen: zwar mit den tradierten Texten, aber musikalisch in zeitgenössischem Gewand. Guido Berg vereinte nun die von ihm dirigierten Chöre Mixed Voices Ehrenkirchen und Chorioso Merzhausen zu einem großen Klangkörper, der die Jazzmesse an einem der letzten sommerlichen Abende in Kirchhofen aufführte.

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Die Sonne schickte ihre letzten Strahlen in das Kirchenschiff und trug so zur festlich-heiteren Atmosphäre bei, die die gesamte Darbietung begleitete. Sichtlich gut gelaunt machten sich die Sänger zusammen mit ihrem Dirigenten und einem dezenten Begleitduo aus Klavier (Hubert Weis) und Schlagzeug (Markus Schneider) ans Werk. Schwungvoll ging es los mit dem Kyrie in heiterem Swing-Rhythmus. Flott kam auch das Gloria daher, gespickt mit kühnen Tonartwechseln, die der vereinte Chor souverän meisterte. Beim Laudamus Te profilierte sich ein ausdrucksstarkes Damen-Septett, das in der Folge, verstärkt durch drei weitere Sänger, noch mehrmals hervortreten sollte. Das verlieh dem Ganzen eine zusätzliche Dynamik, die durch den ansprechenden Wechsel der verschiedenen Rhythmen – etwa von Blues über Ballade zu Swing und Latin – noch verstärkt wurde. Da gab es Passagen im Fünfviertel- und im Dreivierteltakt, Rumba und Samba reinsten Wassers luden zum Schnipsen und Wippen ein. Angereichert hatte der Komponist diese zündenden Jazzstile durch vertrackte Tempo- und Tonartwechsel, die einige Anforderungen an die Interpreten stellten. Dass in den Höhen gelegentlich Unsicherheiten auftraten, wurde wettgemacht durch die Begeisterung und den offensichtlichen Willen des vielköpfigen Chors, dem anspruchsvollen Werk gerecht zu werden, was ihm auch weitgehend gelang. Etwa in der Mitte der Messe hatte Guido Berg, sozusagen zur Entspannung, die Jazz-Motette "The Lord is my Shepherd" aufs Programm gesetzt – da war der Chor ganz bei sich, bevor es mit Sanctus, Benedictus und Osanna bis zum Agnus Dei ging. Das abschließende "Dona Nobis Pacem" (Gib und Frieden)" griff noch einmal die heitere Grundstimmung des Werks auf: kraftvoll, dringlich, aber in eine hoffnungsvolle Zukunft weisend.

Die Jazzmesse ist eines von vielen Werken, in denen sich Johannes Matthias Michel, Jahrgang 1962, geboren in Gaienhofen am Bodensee, mit Inhalten der christlichen Glaubenslehre beschäftigt. Aufsehen erregt hat er bereits mit "Kreuzigung", "Nach uns die Sintflut" und seiner "Musical-Messe". Von ihm dürfte noch viel zu erwarten sein; dass es sich lohnt, sich mit ihm zu beschäftigen, wurde jetzt in Kirchhofen deutlich.


Badische Zeitung, 26. März 2014
Sechs Chöre, ein Konzerterlebnis
Zum zweiten Mal fanden sich auf Einladung von "Chorioso" mehrere Ensembles aus der Region im Merzhauser FORUM ein.

Auch „Crescendo“ aus Bollschweil war beim Chorfest vertreten.  Die Leiterin von „Intermezzo“ Heitersheim, Petra Buroschek (Mitte), bat um die Verlegung des Merzhauser Gemeinderatssitzungstermins – damit Hauptamtsleiter  und Chormitglied Stephan Bohr regelmäßig zur Probe kommen kann. Fotos: Anne Freyer

MERZHAUSEN. Sechs Chöre, sechs Erlebnisse der jeweils ganz eigenständigen Art – das war, nun schon zum zweiten Mal, das "Fest der Chöre" im Forum Merzhausen. Das bunte Programm machte eindrucksvoll klar, welche Vielfalt beim Chorgesang möglich ist und in welch hohem Maß Singen sowohl die Akteure als auch die Zuhörer bereichern kann.

Einmal mehr nutzte die Vorsitzende des gastgebenden Merzhauser Chors "Chorioso", Ulrike Zimmer, die Gelegenheit, ihrer dankbaren Freude über diese Spielstätte Ausdruck zu verleihen. Und das empfinden nicht nur sie und andere örtliche Veranstalter so, sondern offensichtlich auch das Publikum, das in einem sich zunehmend erweiternden Umkreis von dieser Aufführungsstätte Kenntnis nimmt. So waren viele Gäste, wie eine Blitzumfrage ergab, aus Freiburg und seinen nördlichen Anrainern gekommen, aus den Heimatorten der Chöre und aus dem ganzen Hexental sowieso.

Sehr gut gefüllt war der Saal mit seinen 450 Stühlen, an den Wänden entlang standen die Chöre, die gerade nicht dran waren, und warteten auf ihren Auftritt. Die Überraschungseröffnung gehörte dem munteren und vielköpfigen Chor der Hexentalschule mit seiner Leiterin Christina Mandel, die für ihre lustig kostümierten Nachwuchssägerinnen und -sänger eine fröhliche Mischung aus Frühlingsliedern und –kanons zusammengestellt hatte. Ihnen war der Applaus nicht nur der anwesenden Eltern, sondern des ganzen Saals gewiss.


Was daraus werden kann, demonstrierten eindrucksvoll die "Großen", die Damen und Herren von "Chorioso" mit ihrem Dirigenten Guido Berg. Wieder war es ihm gelungen, mit seinem freien Projektchor ein Programm zu erarbeiten, das sowohl durch seinen Anspruch als auch durch die hohe Qualität der Wiedergabe überraschte: von beliebten Swing- und Popnummern wie "The Rythm of Life" oder dem Beatles-Klassiker "When I’m Sixty-Four" bis zu dem durch Ray Charles unvergesslich gewordenen "Georgia on my mind", hier in einer ebenfalls sehr ansprechenden Fassung, gelegentlich unterstützt durch Klavierbegleitung. Und wieder fiel angenehm auf, dass alles so gut wie auswendig gesungen wurde.

Dieser Eindruck verstärkte sich noch beim den "ConSonanten" aus Müllheim, eine vergleichsweise kleine, aber gesanglich feine Truppe. Dem Moderator Jürgen Theis, der entspannt und humorvoll durchs Programm führte, verriet Chorleiter Lothar Welsen, worauf es ihm ankommt: anspruchsvolle Texte von namhaften Autoren wie Joachim Ringelnatz, Peter Kreuder und anderen musikalisch umzusetzen, teils von ihm selbst vertont und neu arrangiert. Auffallend bei diesem Chor: die präzise Diktion, die Sicherheit in mehreren Sprachen und die offensichtliche Freude der Sänger, die vielfältigen Herausforderungen zu meistern und hörbar zu machen.

Gleiches kann man auch von der Gruppe "Rhythmix – die Stimmen in Au" sagen, die von Lukas Oberascher, einem der beiden Chorleiter, temperamentvoll am Klavier begleitet wurde. Sangesfreude und Disziplin vereinen sich hier bei bekannten Nummern norwegischer oder britischer Provenienz. Mit dem Udo-Lindenberg-Lied glänzte als Solist der Bassist Matthias Seelmann.

Südamerikanisch wurde es beim "Chörle" aus Hausen, laut Leiterin Veronika Fehse ganz und gar bereits auf die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien eingestellt und daher in Sambas und Calypsos schwelgend. "Crescendo", mit 20 Jahren laut Jürgen Theis der "dienstälteste Chor des Abends", erfreute mit einer rein a cappella vorgetragenen Mischung aus Erfolgssongs bekannter Popgruppen und weniger bekannter Liedermacher, wie etwa das "Vogellied" oder "Cups", einer durch Plastikbecher unterstützten Nummer.


Den Höhe- und Schlusspunkt bildete der Auftritt von "Intermezzo Heitersheim", allein schon wegen der Aufmachung als Rockertruppe. Chorleiterin Petra Buroschek, in Leder und Nieten wie ihr Chor, entfesselte ein wahres Feuerwerk neuerer Tonschöpfungen aus der Abteilung Rock und Pop, wobei der Chor besonders angenehm durch die gefühlvolle Wiedergabe getragener Balladen auffiel, wie insgesamt durch seine stimmliche und rhythmische Perfektion. Von großer Ausdruckskraft war das Lied "Don’t let the sun go down on me" des Duos Michaela Klein und Stephan Bohr, Hauptamtsleiter im Merzhauser Rathaus und seit acht Jahren Chormitglied. Ihn, so Petra Buroschek, vermisse man in Heitersheim gelegentlich schmerzlich, weil die Proben zeitgleich mit den Gemeinderatssitzungen stattfinden, weshalb sie die Bitte äußerte, diese auf einen anderen Tag zu verlegen – was große Heiterkeit und freudiges Einstimmen des gesamten Saals in das gemeinsam gesungene Schlusslied zur Folge hatte.

Unser erstes von CHORioso alleine bestrittenes Konzert im FORUM Merzhausen war komplett ausgebucht. Wir haben uns viel Mühe mit dem Gesamtarrangement gegeben, das hat sich gelohnt !
Zusätzliche Beleuchtung, Podeste vor der Bühne auf gleicher Ebene mit den Zuhörern, sowie neu angeschaffte Notenständer, erleichterten das Singen und brachten Nähe zum Publikum. Neu auch die durch Tischchen aufgelockerte Bestuhlung, vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Nachfolgend der Bericht der Badischen Zeitung

BZ 20.11.2013
Fülle von angenehmen Überraschungen
Chor Chorioso wird begleitet von Klavier, Harfe und Texten.

MERZHAUSEN (fry). Wenn „Chorioso“ zum Konzert lädt, ist ein volles Haus garantiert, jedenfalls war das bisher im Bürgersaal des Rathauses der Fall. Aber würde das auch im neuen und größeren Bürgerforum so sein? Es funktionierte, und wie – eine begeisterte Fangemeinde erlebte ihren Chor in Bestform und in einem Ambiente, das den Genuss noch steigerte.
"Soirée Surprise" war der Konzertabend mit Chorioso überschrieben, und in der Tat, er hielt eine Fülle von Überraschungen bereit. Da war zunächst das Programm: lauter pfiffige, literarisch hochkarätige Texte von namhaften Dichtern und Denkern, originell vertont und adäquat umgesetzt vom hervorragend aufgestellten Chor. Auch die schwierigsten Passagen mit Tempo- und Tonartwechseln nahm das Ensemble scheinbar mühelos – wie viel Probenarbeit dahinter gesteckt haben muss, konnte der Zuhörer nur erahnen. Das Ergebnis war jedenfalls mehr als überzeugend.

Ergänzt wurde dieses ohnehin schon kurzweilige Programm durch zwei Künstlerinnen, die jede auf ihre Art eine Bereicherung des Ganzen darstellte: die Harfenistin Frauke Horn und die Rezitatorin Birgit Kindler. Die Musikerin steuerte Eigenkompositionen aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen und Epochen bei und zeigte damit die schier unbegrenzte Vielfalt ihrer Möglichkeiten. Und das nicht nur akustisch, sondern auch optisch: Allein dem faszinierenden Spiel ihrer feingliedrigen Hände mit den Saiten ihres wunderschönen Instruments zuzuschauen war ein Genuss für sich. Durch Charme, Witz und professionelles Timing glänzte als anmutige Rezitatorin Birgit Kindler. Mit ihren klug ausgewählten Texten verlieh sie dem Programm einen weiteren angenehmen Akzent.

Auch der Pianist Hubert Weis, der als einfühlsamer Begleiter den Chor den Abend über unterstützte, hatte seinen Soloauftritt mit Schiebermütze und Sonnenbrille: diesmal als Gesangsinterpret des frechen Liedes über einen Banküberfall, an seinem Instrument vertreten durch Guido Berg. Der Chorleiter seinerseits zeigte, dass er nicht nur dirigieren kann, sondern über einen sehr angenehmen Tenor verfügt: mit seiner Version des Gedichts von Joachim Ringelnatz "Das Mädchen mit dem Muttermal", eine selbstironische Geschichte um getäuschte Liebe und Betrug mit einem Hauch von Melancholie und Entsagung, vom Dirigenten selbst komponiert und musikalisch in eben diesem Stil angelegt. Das war aber nicht seine einzige Eigenkomposition: Von ihm stammten alle Vertonungen der Ringelnatz-Beiträge, und deren gab es einige, etwa "Ein Nagel saß auf einem Stück Holz" oder "Die Schnupftabaksdose".

Das liebevoll gestaltete Programmheft begnügte sich nicht mit der Angabe der Titel, sondern beinhaltete fast alle Texte, die an diesem Abend musikalisch zu Gehör gebracht wurden. So konnte im Wortlaut mitgelesen werden, was etwa Bertold Brecht zum Thema "Tierverse" eingefallen war: eine humorvolle und mitfühlende Aufzählung all der Fährnisse, denen die arme Kreatur – vom Schwein über den Elefanten bis zur Kellerassel – ausgesetzt sein kann. Der Chor setzte dieses kleine Gesamtkunstwerk nicht nur musikalisch passend, sondern auch mimisch und gestisch verstärkt um. Dies war nur ein Teil des ersten Blocks, der ganz den Tieren gewidmet war, von den "Zwei kleinen Wölfen" von einem unbekannten Autor über das italienisch gesungene "Contrapunto bestiale alle mente" und einen "chinesischen Teewurzellöwen" bis zum Kinderlied "Old McDonald had a Farm". Großen Spaß machten Chor und Publikum auch die Betrachtungen Robert Gernhardts über das Thema "Mann und Frau", unter anderem in seinem "Paargesang". Und auch der Ausflug in Wohlbekanntes fehlte mit dem Volkslied aus dem 19. Jahrhundert über den "Jäger, der längs dem Weiher ging" nicht. Hier war der Saal eingeladen war, den Refrain mitzusingen.

Die Liedbeiträge wurden fast auswendig gesungen; nur gelegentlich mussten die Sängerinnen und Sänger einen Blick in die Noten werfen, auch dies ein Ergebnis der sorgfältigen Probenarbeit. Ulrike Zimmer, die das Publikum als Vorsitzende begrüßte, nutzte die Gelegenheit, "alle, die gerne singen", zum Probenbesuch und zur eventuellen Verstärkung von "Chorioso" einzuladen.

BZ 25.02.2013
Vielstimmig und völkerverbindend
Im Merzhauser FORUM fand ein Fest der Chöre statt / Gastgeber Chorioso freute sich über das abwechslungsreiche Programm.

 
 

„Chorioso“ aus Merzhausen und „The Mixed Voices“ aus Ehrenstetten singen gemeinsam zum großen Finale. Foto: Hans Jürgen Kugler

MERZHAUSEN. "Wo gibt es das sonst noch, dass man gleich sechs Chöre an einem Abend hören kann", fragte Moderator Jürgen Theis die zahlreich erschienenen Zuhörer, die zum großen Fest der Chöre ins Forum Merzhausen gekommen waren. Unter der Leitung von Carsten Schulz, der für den erkrankten Chorleiter Guido Berg eingesprungen war, eröffnete der gastgebende Chor Chorioso aus Merzhausen das vielfältige und internationale Programm.

Es begann ganz klassisch mit einem Renaissance-Madrigal von Orlando die Lasso "O occhi manza mia" und dem englischen Volkslied "Early in the morning". "Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami" bescheinigte der Chor klanggewaltig einem Schwerenöter aus den 30er-Jahren und forderte mit "Fly with me" gleich zur romantischen Weltflucht auf. Beschwingt verabschiedeten sich die Sänger mit "The Bare Necessities" aus dem Dschungelbuch, hierzulande als "Versuch’s mal mit Gemütlichkeit" bekannt.

Internationalität war überhaupt ein durchgängiges Thema des Abends, denn alle Chöre zeichneten sich durch ein vielsprachiges, völkerverbindendes Programm aus. Von deutscher Romantik über afroamerikanische Gospels, afrikanischen Gesang, einem Liederkranz aus dem Balkan bis hin zu Alpenrock, den Beatles und Joachim Ringelnatz war alles vertreten, was sich vielstimmig und gekonnt in Szene setzen lässt.

Unter der Leitung der Konzertsängerin Hanna Roos präsentierte dann Chorios aus Vörstetten ein anspruchsvolles Programm. Mit klaren, reinen Stimmen entführten die Vörstetter mit dem indianischen Abendlied "Evening Rise" in überirdische Regionen. Wieder auf der Erde besangen Chorios den edlen Ritter von der traurigen Gestalt aus La Mancha. Ganz handfest und beschwingt wurde es mit "Hit the road, Jack” von Percy Mayfield, ehe die Sängerinnen und Sänger das Zulu-Lied "Yaka naka vangeri" klatschend und stampfend auf die Bühne brachten.

Aus Munzingen war der Gemischte Chor, geleitet von Igor Majcen, zu Gast. 1921 als ein reiner Männerchor gegründet, wurde er 1989 durch zahlreiche Frauenstimmen zum gemischten Chor erweitert. Also nichts mehr mit "Bier, Männer und Gebrumm", wie Jürgen Theis anmerkte, sondern seither eher "Wein, Weib und Gesang". Passend zu diesem Motto intonierten die Sänger "Wach auf meins Herzens Schöne" aus der Feder von Johannes Brahms. Mit dem italienischen Lied vom singend sterbenden Schwan "Il bianco e dolce cigno", einem Liederkranz aus dem Balkan, und "Heast as net wia Zeit vergeht" des Alpenrocklers Hubert von Goisern präsentierten die Damen und Herren aus Munzingen ein ebenso ungewöhnliches wie besinnliches Repertoire.

Die Arion Singers aus Waldkirch unter der Leitung von Julia Rosenberger begeisterten die Zuhörer mit einem stimmungsvollen Mix aus "Scarborough Fair" und "Sounds of Silence" von Simon and Garfunkel und populären Hits von Phil Collins bis zu "Aquarius" und "Let the sunshine in" aus dem Musical "Hair".

Die Damen vom Montagschor Lehen, mit Chorleiter Norbert Kleinschmidt als einzigem Mann im Chor, überraschten durch eine sinnig gereimte Begrüßung zur bekannten Filmmelodie aus "Der Clou". Mit "Only You" von den Flying Pickets, "Hallelujah" von Leonard Cohen, dem Gospel "Oh happy day" und "Mama Mia" von Abba zeigten auch sie internationales Format.

Die "Mixed Voices" aus Ehrenstetten überzeugten mit einer Dichterlesung der humoristischen Art. Von Joachim Ringelnatz ließen sie einen verliebten männlichen Briefmark, den entflogenen Bumerang und zwei wanderlustige Ameisen in gekonnter mehrstimmiger Weise auf der Bühne auftreten.

Gemeinsam mit den Gastgebern aus Merzhausen traten die "Mixed Voices" dann zum großen Finale an – und zwar mit temperamentvollen Titeln wie "Tequila Samba" und "Nella Fantasia", schwungvoll am Klavier begleitet von Hubert Weiss

BZ 20.Juni.2012
Zwei Chöre, ein Projekt
Mixed Voices und Chorioso präsentierten in Merzhausen die Jazzmesse /Wiederholung am 8. Juli in der Kirchhofener Kirche

                                                                                                      
                                                                                                                                                                                                      Chorleiter Guido Berg dirigiert den Projektchor Mixed Voices und Chorioso in der „Jazzmesse“ von Johannes Matthias Michel. Foto: Hans Jürgen Kugler

MERZHAUSEN. Eine nicht ganz alltägliche Messvertonung stand in Merzhausen in der evangelischen Kirche auf dem Programm: Die "Jazzmesse" des Mannheimer Kirchenmusikdirektors Johannes Matthias Michel. In dieser formal an traditionellen Messvertonungen angelehnten Komposition gewinnt der gemeinhin als antiquiert geltende lateinische Messetext durch die Einbettung in eine für den traditionellen Jazz typische musikalische Sprache eine zeitgemäße Interpretation.

Um dem monumentalen Werk akustisch das nötige Gewicht verleihen zu können, hatte Chorleiter Guido Berg die gemischten Chöre Mixed Voices aus Ehrenkirchen und Chorioso aus Merzhausen zu einem gemeinsamen Chorprojekt zusammengeführt. Mit dem Pianisten Cornelius Mack, dem Kontrabassisten Lorenz Stiegeler und Anthony Greminger am Schlagzeug sorgte ein bestens eingespieltes Jazztrio für eine mitreißende instrumentale Begleitung.

Schon die Anrufung im einleitenden Kyrie stellte mit swingender Nonchalance klar, dass es ganz von dieser Welt sein will. Im schwungvollen Gloria setzen Komponist und Interpreten auf den Punkt genau an den entsprechenden Textstellen ("et in terra pax …") einige retardierende Elemente, doch das Instrumentaltrio sorgt gleich wieder für Tempo, das in der folgenden Lobpreisung "Laudamus Te" durch ein nachdenkliches Klavierintro gleich wieder ausgebremst wird. Überhaupt lebt die Komposition von ihren starken Kontrasten in Tempo, Dynamik und der musikalischen Stilistik. Als Beispiel sei das Gratias genannt, das im imitatorischen mehrstimmigen Satz ganz klassisch einsetzt, ehe durch rhythmisches Fingerschnipsen gleich wieder die swingende Harmonik des Jazz weitergeführt wird.

Der kühnste Satz des Werkes aber ist das Sanctus. Das Trio gibt einen vertrackten, an "Take Five" erinnernden Rhythmus vor; Chor und Solisten halten mit eher statisch deklamierender Rezitation unbeirrt dagegen, was in der Folge geradezu knisternde Spannung erzeugt. Diesem hochkomplexen Satz folgte ein entspanntes Benedictus, dem ein akzentuiertes Hosianna-Stakkato entgegengesetzt wird. Der mit Rezitativ bezeichnete nachfolgende Satz führt mit dadaistischen Lautspielereien jedwede allzu buchstabengetreue Exegese ad absurdum.

Nach Pater Noster und Agnus Dei mahnt das Piano mit markanten Einwürfen zur abschließenden Bitte um Frieden, das Werk verklingt in entspannter Ruhe.

Das einfühlsame und präzise Dirigat von Guido Berg formte im Einklang mit den stimmlich ausgezeichnet geschulten Sängerinnen und Sängern einen homogenen und gleichwohl differenzierten Chorklang. Dem gesamten Ensemble gebührt das Verdienst, ein rhythmisch und harmonisch anspruchsvolles Werk erstklassig und auf spannende Weise auf die Bühne gebracht zu haben.

Die Jazzmesse wird vom Projektchor erneut am 8. Juli um 19 Uhr in der Wallfahrtskirche Kirchhofen aufgeführt.

BZ 24. November 2012
Chorioso lockte die Gäste auf eine Zeitreise
Das Konzert im Bürgersaal in Merzhausen war ein Erfolg.


Der Merzhauser Chor Chorioso unter Leitung von Guido Berg beim Konzert unter dem Motto „Zeitreise“. Foto: Silvia Faller


MERZHAUSEN (sf). Die Freude war Ulrike Zimmer, der Sprecherin des Chores Chorioso, anzusehen. Kein Stuhl blieb leer im Bürgersaal, 45 Sängerinnen und Sänger boten unter Leitung von Guido Berg eine respektable Aufführung und das Publikum dankte mit großem Applaus. Das Jahreskonzert 2011 des Merzhauser Chores am Samstag unter dem Motto "Zeitreise" war ein Erfolg.

"Zeitreise" deshalb, weil der Chor Lieder und Stücke aus verschiedenen Epochen ausgesucht hat. Vier Jahrhunderte liegen zwischen der Komposition des italienischen Liebesliedes "O occhi manza mia" und der Veröffentlichung des Beatles-Songs "When I’m Sixty-Four". Es liegt auf der Hand, dass sich daraus ein abwechslungsreiches Programm ergeben hat, zumal Uli Steurer mit der Oboe und Carsten Schulz am Klavier mit Duetten den Ablauf noch auflockerten. Das soll aber nicht so verstanden werden, als hätte der Chor einer Auflockerung bedurft, ganz im Gegenteil. Aber das tonale Miteinander des Holzblasinstruments und des Klaviers war absolut hörenswert.

Diese Beurteilung ist jedoch dem gesamten Konzert zuzusprechen. Klassiker der Popkultur wie der Beatles-Song swingten warm und leicht durch den Bürgersaal, einfühlsam interpretiert kam "Stormy Weather" daher, das einst Frank Sinatra gesungen hat, Aha-Effekte löste ein bekanntes Operettenmotiv als Träger des englischen Songs "Orpheus in The Underground" aus.


Während der Chor sich bei den modernen Stücken vom Klavier begleiten ließ und teilweise auch von der peruanischen Kistentrommel Cajon oder der afrikanischen Handtrommel Conga (Jürgen Hentze), sang er einige Lieder aus früheren Jahrhunderten ohne instrumentale Begleitung. Und auch das war gelungen, etwa bei italienischen Renaissance-Liedern oder dem Liebeslied "Jungfrau, Dein schön Gesicht". Dem Publikum gefiel alles, wobei das Lied "Zigeunerleben" von Robert Schumann und die Popsongs dem Applaus nach zu schließen Höhepunkte des Abends waren.

Es war zu erwarten, dass der Chor am Ende nicht ohne Zugabe abtreten konnte. Das war das Sarah-Brightman-Remake "Time to say Goodbye" des italienischen Liedes "Con te partiro". Und was für eine Überraschung: Dieses Stück sang der Chor auswendig. Den Mut, das öfters zu tun, ist Chorioso zu wünschen. Denn wenn zwischen Sänger und Publikum kein Notenblatt steht, ergibt sich mehr Ausdruck, mehr Intensität und damit auch mehr Wirkung.

Badische Zeitung 25.03.2011

"Make a joyful noice"

"Chorioso" hatte zum Gospel- und Spiritualabend in die Merzhauser Pfarrkirche eingeladen

 

MERZHAUSEN. Sie haben sich für ihr kleines Konzert einen Sonntag ausgesucht, der nur so zum Sonnenbaden im Freien einlud. Wen die Merzhauser Sänger von "Chorioso" dennoch zu ihrem dritten Gospel- und Spiritualabend in die Merzhauser Kirche locken konnten, dem schenkte der Chor obendrein noch einen Abend voller Abwechslung und Vielfältigkeit.

Mit einer Auswahl an rhythmischen Melodien, mal melancholisch, mal fröhlich und auch mal nachdenklich, nutzen sie unter der Leitung von Guido Berg eindrücklich die gesamte Klangfülle der evangelischen Pfarrkirche. Bereits der Titel ihres ersten Stücks machte klar, was sich der Chor für sein kleines Konzert vorgenommen hat: Bei "Make a joyful noice" erheben sie ihre Stimmen und setzen mit ihren Stimmbändern um, was der Liedtext wörtlich verlangt. Sie singen in der Tat voller Freude und stecken damit auch das Publikum an.

"Es ist wunderbar, hier zu sein", findet Martin Bleicher und sagt weiter: "Vor allem die Gospelelemente und der hervorragende Rhythmus sagen mir zu". Von flotten Melodien wie "Oh Peter, go ring-a dem", über ruhige Nummern wie "Wade in the water" bis hin zu nachdenklichen Stücken wie "Lean on me" haben sich die Merzhauser Sänger ein vielfältiges Programm an Gospels und Spirituals zusammengestellt. "Dabei mussten wir nur neun Mal proben", lacht Ulrike Zimmer, die Vorsitzende von "Chorioso", und sagt auch warum: "Für dieses Konzert war es uns besonders wichtig, den Zuhörern leichtere Musik als sonst zu präsentieren. Leichter zu singen, leichter zu verstehen und
leichter, um mitgehen zu können."


Erholung eben, die stand ganz im Mittelpunkt des Sonntagabends – und dafür hatte der Chor "Chorioso" neben seiner Stammbegleitung am Klavier, Christine Uhlier, auch den Kontrabassisten Wolfgang Fernow als Unterstützung an seiner Seite. Gefühlvoll zupft dieser an seinem Instrument, streicht über die Saiten und klopft auf den hölzernen Klangkörper. Wolfgang Fernow holt jeden nur erdenklichen Ton aus seinem Kontrabass und unterstützt die Melodien zusätzlich durch Klänge, die seine eigenen Stimmbänder formen.

"Wir hatten Wolfgang Fernow schon einmal bei einem unserer Konzerte dabei", erinnert sich Ulrike Zimmer. "Schon damals hat er unser Publikum begeistert". Und so auch an diesem frühen Abend – einem Abend, an dem jeder, der trotz herrlichem Frühlingswetter zu "Chorioso" gekommen war, tatsächlich zufrieden zu sein schien.

Badische Zeitung  17.11.2010
AboAboLauter Lieblingsstücke
Für das Jubiläumskonzert von Chorioso Merzhausen suchten die Sänger die Lieder aus.


Haben Freude am Singen: Die Mitglieder vom Merzhauser Chor Chorioso, der zehn Jahre alt wurde. Foto: Freyer

MERZHAUSEN (fry). Zum "kleinen Jubiläum", wie es Vereinsvorsitzende Ulrike Zimmer nannte, war der Pfarrsaal St. Gallus gut gefüllt. Sechs Jahrhunderte, fünf Länder, vier Stimmen, drei Sprachen, zwei Teile und ein Chorleiter – so charakterisierte Joachim Teutsch in seiner launigen Moderation das Konzert. Und in der Tat: Vielseitiger und abwechslungsreicher geht nicht. Dirigent Guido Berg hatte die Auswahl der Stücke seinen Chormitgliedern überlassen und sie hatten ihre Lieblingsstücke zusammengestellt, die mit entsprechender Ausdruckskraft erschallten. Chorioso, einst als Projektchor gegründet, baute sich diesmal ganz in festlichem Schwarz im Pfarrsaal St. Gallus auf, der sich als hervorragend geeignet für den Auftritt erwies.

Von Beginn an sprang der zündende Funke über, die Fans im Publikum konnten die beiden Swing-Nummern "Oh Peter..." und "Blessed Assurance" von Robert Powell und das durch Louis Armstrong zum Welthit avancierte "What a Wonderful World" fast mitsingen. Eine nicht nur gesangliche, sondern auch sprachliche Glanzleistung war Cedric Colemans "Rhythm of Life"; zum Mitklatschen und -schnipsen eignete sich das vom Chor offenbar besonders geliebte, da auswendig gesungene "I'm gonna sing".

Aber auch Barock und Romantik kamen zu ihrem Recht: mit dem innig intonierten "Mit Lieb bin ich umfangen", mit "Come again", einem Glanzstück englischen Chorgesangs, und dem bekannten "Wach auf, meins Herzens Schöne" von Johannes Brahms. Ganz Gioachino Rossini gewidmet waren drei Beiträge vor der Pause, darunter ein Duett mit den Solistinnen Imke Weyers, Sopran, und Rita Steiert, Alt, die das schöne Lied "La Pesca" zum besten gaben. Alle Rossini-Nummern, auch die beiden vom Chor intonierten, wurden auf Italienisch gesungen, eine beachtliche Leistung.

Vielseitig ging es auch nach der Pause weiter – nachdem sich das Publikum mit den berühmten selbst gemachten Häppchen hatte stärken können. Mit Verve und Ausdruck schmetterten die Damen und Herren die Paradenummer aus dem Musical "Fiddler on the Roof": "Wenn ich einmal reich wär'", gefolgt von einem ebenfalls weltbekannten Hit, diesmal aus dem "Dschungelbuch": "Probier's mal mit Gemütlichkeit", allerdings in der englischen Originalversion. Deftig ging es weiter, zunächst mit einem "Sauf-, Fress- und Schlinglied" (Joachim Teutsch) in bester humorvoller englischer Liedtradition und dann einem Gesangssolo des Dirigenten Guido Berg. Ihm scheint es Georg Kreisler mit seinem hintergründigen Witz besonders angetan zu haben, denn seinen ausgeklügelten Todesarten für lästige Damen unter dem harmlosen Titel "Bidla Buh" ließ er, von ihm selbst arrangiert und vom Chor adäquat umgesetzt, "Die Hexe", folgen. Dann war es Zeit für Feuerzeuge und Wunderkerze: Es durfte hemmungslos in Klassikern der siebziger und achtziger Jahre geschwelgt werden.


Den Akteuren war anzusehen, wie sie es genossen, diese Welthits zu singen: "Bridge over troubled water", "California dreaming" und "Thank you for the music", der wohl berühmtesten Nummer von Abba. Und auch das Publikum ließ sich gerne vom Zauber dieser wohlbekannten Songs davontragen. Der stürmische Beifall animierte Guido Berg und Christine Uhlier zum vierhändig gespielten "Champagne Rag" – aus gegebenem Anlass, wie der Dirigent anmerkte. Großen Anteil am Erfolg hatte auch Jürgen Hentze, der mit seinem "Cajon" für den Schlagzeuger Alexander Lang eingesprungen war. Er vollbrachte mit seinem hockergroßen Rhythmusinstrument "wahre Wunderdinge", wie Ulrike Zimmer lobte. Lob, Dank und Geschenke gab es auch für Guido Berg, verbunden mit dem Wunsch, dass es mit Chorioso noch lange so erfolgreich weitergehen möge.
 

Badische Zeitung 26. November 2009
Zum Finale gab es vier Lieder aus der "West Side Story"


Stimmgewaltig unterstützt wurde Solistin Julia Thornton beim Jahreskonzert von „Chorioso“ bei seinem Jahreskonzert. | Foto: Anne Freyer

MERZHAUSEN (fry). Ein Fest des Wiedersehens und -hörens war das Konzert von "Chorioso Merzhausen" im Bürgersaal des Rathauses. Film- und Musicalmelodien ließ der Chor wiederaufleben, diesmal in elegantes Schwarz-Weiß gehüllt und so auch von der Optik her passend zu den wohl bekannten Weisen. "Vor dem Buchstaben war die Note, vor dem Wort der Akkord!" stellte Vereinsvorsitzende Ulrike Zimmer in ihrer Begrüßung klar. Singen sei deshalb ein elementares Bedürfnis – dass dem so ist, bewies Chorioso einmal mehr auf überzeugende Weise. Sichtlich begeistert hatten die annähernd 50 Damen und Herren des Chors mit ihrem Leiter Guido Berg ein Programm aus den Highlights der vergangenen Jahrzehnte einstudiert. Dabei stellte sich dank der erhellenden Moderation durch Barbara Panse und Joachim Teutsch heraus, dass so mancher Stoff, aus dem später Musicals gemacht wurden, mehr als hundert Jahre alt ist, so die Vorlage zum "Phantom der Oper", ein Roman, der bereits 1911 zum Bestseller wurde.
Sogar noch älter ist das uramerikanische Märchen "Der Zauberer von Oz", 1939 zu unsterblicher Popularität gelangt durch die Verfilmung mit der damals erst 16-jährigen Judy Garland. Damit hatte die Solistin ihren ersten Auftritt, die sich Chor und Dirigent zur Verstärkung geholt hatten: die Sopranistin Julia Thornton. Sie lebt seit 1989 in Freiburg, ist als Konzertsängerin viel unterwegs und gab im Frühsommer dieses Jahres die Helmwige in "Die Walküre" am Freiburger Theater. Demnächst wird sie an Orffs "Carmina Burana" im Konzerthaus mitwirken. Außer mit dem bekanntesten Song aus dem Musicalmärchen "Over the Rainbow" ließ Julia Thornton ihren strahlenden Sopran auch mit "I could have danced tonight" aus "My Fair Lady" erklingen, hier unterstützt von einem choreigenen Sextett, das den Hintergrund-gesang lieferte. Dieser Beitrag zum Wohlklang des Ganzen wird oft in seiner Schwierigkeit unterschätzt. Die sechs Damen zeigten sich ihrer Aufgabe voll gewachsen, und nicht nur einmal.
Richtig in Fahrt kam der Chor mit den zwei Nummern, die die Liebe zum Inhalt haben, wenn auch auf sehr unterschiedliche Weise: aus dem Webber-Musical "Aspects of Love" das eine – kraftvoll, sicher und sieghaft – und "Can't help loving that Man" aus "Showboat" das andere, eine der ersten Musical-Inszenierungen am Freiburger Theater, wie Barbara Panse in Erinnerung rief. Zu Ehren kamen außerdem die Klassiker "Dschungelbuch", "Porgy und Bess", "Lady be good", als Hommage an die Gruppe Abba zwei Lieder aus dem Musical "Mamma mia" und "Anatevka" mit "Wenn ich einmal reich wär", als einziges Lied auf Deutsch gesungen. Zur Höchstform liefen Solistin, Chor und Extrachor mit vier Lieder aus der "West Side Story" als Finale auf, ein gewagtes Unterfangen, das aber gelang, sowohl rhythmisch als auch darstellerisch und stimmlich.
Dem Chor und seinem Leiter ist es hoch anzurechnen, dass sie bei den Proben so großen Wert auf sprachliche Präzision gelegt hatten – die Texte kamen durchgängig bestens verständlich und flüssig daher. Als Duo-Einlage präsentierte Dirigent Guido Berg zusammen mit Christine Uhlir, der bewährten Begleiterin am Klavier, drei vierhändig gespielte Märsche von Steve Dobrogosz, teils feierlich getragen, teils mit vergnügten Ragtime-Elementen angereichert.

Rhythmischen Halt verlieh dem Konzert diesmal Alexander Lang am Schlagzeug. Teil des Programms sind traditionell die leckeren Häppchen von salzig bis süß und in allen nur denkbaren Größen und Formen, die stets von den Chormitgliedern hergestellt werden, wie die Moderatoren mit berechtigtem Stolz betonten. Auch den ausgesuchten heimischen Gewächsen sprachen die Gäste in der Pause gerne zu. Das Publikum saß im Bürgersaal dicht an dicht – und notgedrungen auch dicht an der improvisierten Bühne mit zwei Ebenen, auf der sich der Chor drängte. Das beeinträchtigte etwas den Hörgenuss, wenigstens für die vorderen Reihen, während man im hinteren Bereich einen homogeneren Klang genießen konnte. "Chorioso" ebenso wie den anderen zahlreichen Merzhausener Vereinen und Gruppen ist deshalb eine baldige Beendigung des Provisoriums und eine adäquate Halle für Aufführungen dieser Art zu wünschen, ebenso wie dem Publikum.
 

Badische Zeitung vom Dienstag, 10. November 2008
AboAbo Der Chor ist nun ein Verein AboAbo
Ulrike Zimmer ist neue Vorsitzende / Viel Beifall für das "Chorioso" Konzert "I'm walking"

MERZHAUSEN. Bevor "Chorioso" mit dem Gesang loslegte, gab es eine gute Nachricht von Sprecherin Ulrike Zimmer:
Der Chor ist jetzt ein Verein und sie selbst dessen Vorsitzende. Das freute Publikum und Sänger gleichermaßen, die sich dann gut gelaunt an die Darbietung ihres von Leichtigkeit, Swing und Jazz geprägten Programms machten.

 

  
Den neuen Status des Chors als Verein gab Chorioso-Vorsitzende Ulrike Zimmer bekannt.  Foto: Anne Freyer 

Was es mit "I’m walking", dem Titel des neuesten Programms von Chorioso, auf sich hat, erklärte Barbara Panse in ihrer launigen Moderation. Fats Domino, bekanntlich schwergewichtiger und nicht eben bewegungsfreudiger Jazzer und Lieferant weltbekannter Melodien, wurde von einem Fan gefragt, als er sich ausnahmsweise zu Fuß durch Los Angeles bewegte, was er da tue. Er antwortete: "I’m walking" und machte gleich eine fetzige Nummer daraus, die der Chor entsprechend umsetzte.

Guido Berg, Leiter von Chorioso, hatte ein Programm zusammengestellt, das so ziemlich alle Bedürfnisse nach "Rhythm & Swing" befriedigt haben dürfte. Den furiosen Auftakt bildete die Coleman-Nummer "Rhythm of life", gefolgt von "I got rhythm" aus dem nicht minder berühmten Musical "Sweet Charity" von George Gershwin mit Franziska Mangold als Solosopran. Da legten sie sich mit Genuss in die sanften musikalischen Kurven, die dieses Lied vorgibt; nicht weniger genussvoll geriet das gefühlige "My Treasure", das Gregor Becher mit seiner schönen Tenorstimme zu Gehör brachte, dezent unterstützt vom Chor.

Und dann vom unsterblichen Cole Porter "Night and Day" – keine Kaffeewerbung, wie Barbara Panse humorvoll klarstellte, sondern ein Evergreen aus den so überaus kreativen Dreißigern. Zum Quartett arrangiert hatte Guido Berg hingegen Lennon/McCartneys "Michelle" sowie "I’ll follow the sun" aus den Sechzigern, interpretiert von Sopran Franziska Mangold, Alt Rita Steiert, Tenor Gregor Becher und Bass Hubert Weis. Alle vier ließen sich später nochmals a cappella hören mit einem charmanten Spottlied auf die englische High Society aus den Zwanzigern und dem je nach Lebensalter bange Sorge oder fröhliche Genugtuung auslösenden "When I’m 64" von den Beatles. Dazwischen begab sich Guido Berg immer mal wieder ans Klavier, um mit Christine Uhlir, die zusammen mit Michael Steiert am Schlagzeug die dezente und punktgenaue instrumentelle Begleitung besorgte, zwei Lieblingsrags zum Besten zu geben. Drumherum gab es die Nummer "Can’t help loving that man" aus dem, wie Barbara Panse erinnerte, 1970 im Freiburger Stadttheater aufgeführten Musical "Showboat", noch mehr Lennon mit "Can’t buy me love", das Soul-Jazz-Stück "Mercy, mercy" (Solo: Hubert Weis) – nicht leicht zu singen, aber schön und sauber umgesetzt einschließlich Schubiduahs und Synkopen.

Zum Wiederhören die Bach-Komposition, die dank ihrer Übernahme in die U-Musik wohl die populärste dieses Klassikers weltweit sein dürfte: "A whiter shade of pale", unterlegt mit einem etwas wirren Text, aber kunstvoll arrangiert bis zum dramatischen Crescendo. Traurig-schön kam das Lied "And so it goes" daher, das die enttäuschte Liebe zum Inhalt hat, bevor Chorioso zum Finale ansetzte mit dem weltbekannten Hit, ursprünglich ein Zulu-Lied, aus "König der Löwen" und einem Medley aus der reichen Auswahl an Frank-Sinatra-Liedern. Das alles veranlasste das Publikum zu begeistertem Beifall, der zwingend mehrere Zugaben zur Folge hatte.

Badische Zeitung vom Dienstag, 20. November 2007
Der Chor "Chorioso" aus Merzhausen hatte zum Jahreskonzert eingeladen und der Bürgersaal war bis auf den letzten Platz besetzt
Von unserer Mitarbeiterin Tina Lindemann
Internationales Programm zu einem Thema: der Liebe Abo



MERZHAUSEN. "A Stund darfscht ni mer warte, sonst kriegscht keinen Platz mehr" , raunt ein Merzhauser Bürger in spaßigem Unterton seinem Freund zu. "Macht nichts" , erwidert dieser grinsend, "dann nehme ich eben eine schöne Frau auf meinen Schoß." Wenig später ist der Bürgersaal tatsächlich voll: Alle 120 Sitzplätze sind vergeben und noch immer drängen weitere Menschen ins Rathaus, um sich das Jahreskonzert des Merzhauser Chors "Chorioso" anzuschauen. "Ehrlich gesagt haben wir schon mit so vielen Gästen gerechnet" , sagt die Sprecherin des Chors, Ulrike Zimmer. "Aber leider hat die Gemeinde noch keinen größeren Saal, in dem wir auftreten könnten."

Die Besucher scheint dies aber weniger zu stören. In Eigenregie besorgen sie sich einen Stuhl, nehmen Platz und warten gespannt auf den Augenblick, an dem Chorleiter Guido Berg seine Stimmgabel zückt und sie auf eine Europareise entführt: 16 individuelle Melodien, 13 unterschied liche Kulturen und 13 Einzelsprachen haben er und die 50 "Chorioso" -Stimmen dieses Mal mitgebracht — und egal ob die Stücke aus Irland, dem Baskenland, Frankreich oder Italien kommen, der Chor präsentiert sie alle in ihrer Originalsprache. "So vielfältig wie unsere Programmauswahl allerdings auch aussehen mag, im Kern haben die Stücke alle etwas gemeinsam: das Thema der Liebe" , erklärt der Guido Berg und bringt die Zuhörer durch seine humorvolle Ankündigung der einzelnen Titel immer wieder zum Schmunzeln. Er nimmt es sogar in Kauf, den Saal mit ein paar Zeilen Schweizerdeutsch zu erheitern: "Ja, ihr lacht, aber für einen Rheinländer war das gar nicht so schlecht" .

Für das musikalischen Tingeln durch die einzelnen Länder Europas hat sich "Chorioso" an diesem Abend zusätzliche Unterstützung geholt: Am Klavier wird er von Christine Uhlir begleitet und bei den Stücken aus dem Tessin und Zypern tritt Selina Müller mit ihrer Querflöte in Erscheinung. "Ich bin extra hierher gekommen, um meine Schwester zu unterstützen" , erzählt Selinas Schwester Svenja und beginnt schon in der Pause die Daumen zu drücken. Doch auch dem übrigen Programm kann die Elfjährige noch aufmerksam lauschen: "Vor allem die beiden englischen Stücke haben mir sehr gut gefallen" , sagt sie. "Bei den anderen verstehe ich zwar den Text nicht, aber ich finde es sehr gut, dass der Dirigent immer wieder erklärt, wovon die Stücke handeln."

Guido Berg weiß zu begeistern: "Er ist das Herz unseres Chors" , meint Ulrike Zimmer, "ohne ihn wären wir nicht dort, wo wir heute sind" . Seine erfrischenden Ideen, das musikalische Feingefühl und "seine herzliche Art, mit uns umzugehen, lassen uns an seinen Lippen hängen" , schmunzelt die Chorsprecherin. Doch auch kritischen Stimmen muss sich der studierte Musiker stellen: Gerade in diesem Jahr habe er zu viele ausländische Titel ins Programm aufgenommen. "Aber schauen Sie sich doch mal um" , so Ulrike Zimmer, "so viele Besucher und ein zudem begeistert singender Chor können doch nicht falsch liegen, oder?" Mitnichten. "Wir sind auf genau dem richtigen Weg" , ist sie sich sicher.
Badische Zeitung vom Mittwoch, 4. April 2007
Sänger und Publikum sind mit Herz bei der Sache  
"Chorioso" singt Spirituals und Gospels und begeistert Zuhörer
Von unserem Mitarbeiter Stefan Sessler
MERZHAUSEN. Der Chor "Chorioso" aus Merzhausen hat inzwischen einen festen Platz im musikalischen Kalender der Hexentalgemeinde. Beim Spiritual- und Gospelkonzert, das am Freitagabend in der evangelischen Johanneskirche in Merzhausen stattfand, mussten sich manche Zuhörer mit einem Stehplatz begnügen: Die ungefähr 150 Sitzplätze der Kirche waren alle besetzt.

Der Chor, der seit dem Jahr 2000 besteht, hat viele Fans gefunden. Allerdings wächst nicht nur die Zahl der Zuhörer stetig, sondern auch der Chor selbst. Erst jüngst hat der Chor wieder zehn neue Mitglieder aufgenommen, sodass sich Männer- und Frauenanteil nun ungefähr die Waage halten. Diese Tatsache sei in gemischten Chören alles andere als selbstverständlich, lässt die Sprecherin des Chores, Ulrike Zimmer, wissen. "Männer zum Singen zu bewegen, ist nicht immer einfach" , erklärt sie schmunzelnd. Und den Grund, warum der Chor so gut ankommt, beschreibt Ulrike Zimmer so: "Unser Chorleiter Guido Berg ist die Seele des Chores. Seine feinfühlige Art begeistert sowohl Publikum als auch Sänger." Auch dieses Mal enttäuschte der Chor die Erwartungen nicht: erst stimmungsvoll, dann einfühlsam, mal melancholisch, mal heiter "Chorioso" deckt nicht nur ein beachtliches Repertoire, sondern auch ein breites Gefühlsspektrum ab.

Das muntere "The Gospel Train" eröffnete den Abend, später folgten die Solostücke "Walk in Jerusalem" sowie "A Clare Benediction", um nur einige der einstudierten Stücke zu nennen. Und ebenso wenig fehlen durfte der Gospel-Klassiker "He’s Got the whole World". Für instrumentale Begleitung sorgten Christine Uhlier (Klavier), Michael Steiert (Schlagzeug) und Wolfgang Fernow, der mit seinen eingeschobenen Kontrabass-Improvisationen eindrucksvoll bewies, dass in diesem mannshohen Streichinstrument eine Menge Gefühl steckt.

Wie viel stimmliches Können im Chor "Chorioso" versammelt ist, zeigte sich dann endgültig bei der Mitsingnummer "I’m Gonna Sing" . Guido Berg forderte das Publikum auf, beim letzten Song des Abends kräftig mit zu tun, dabei durfte sich jeder die passende Stimmlage aussuchen. Und los ging es. Doch mehr als ein bisschen wohlwollendes Gegrummel wollte von den Publikumsrängen nicht nach vorne dringen. Guido Berg war nicht böse und machte den Sangesnovizen Mut. "Mit den Herzen immerhin waren sie dabei", so der Chorleiter. Das habe er ganz genau gehört. Als der Chor dann stimmkräftig wieder einsetzte, wurde klar, dass richtige Sangeskunst viel Übung braucht und die Beliebtheit von "Chorioso" nicht von ungefähr kommt.

"Lassen Sie es am Ausgang nicht klingeln, lassen Sie es rascheln" , sagte der Kirchenälteste der evangelischen Gemeinde Merzhausen, Karl-Heinz Stürner, der ebenfalls im Chor mitsingt, am Ende des gelungenen Abends. Schließlich verlange "Chorioso" für sein Konzert keinen Eintritt, doch sei der Chor auf Spenden angewiesen. Außerdem sei jeder, der Interesse habe, eingeladen, mitzusingen, so Stürner. Der nächste Auftritt von "Chorioso" ist für den 17. November geplant — spätestens dann wird sich zeigen, wie viele neue Sängerinnen und Sänger auf das Angebot eingegangen sind.

Badische Zeitung vom Mittwoch, 25. Oktober 2006 

 

"Vom Wasser haben wir´s gelernt . . ." 
Der Merzhauser Chor Chorioso bot im Bürgersaal unter dem Motto "Vom Wasser" Musik aus verschiedenen Epochen
Von unserer Mitarbeiterin Silvia Faller

MERZHAUSEN. "Echtes Wasser wird nicht rauschen", beruhigte Ulrike Zimmer in einer nett gereimten Begrüßungsansprache

 

 

Zu Beginn gab es Stücke aus dem romantischen Liederzyklus "Die schöne Müllerin" von Franz Schubert. Was der Wanderbursch und die Müllerin mit Wasser zu tun haben sollte, dürfte sich so mancher bei der ersten Durchsicht des Programmblattes gefragt haben, stand doch das Konzert unter diesem Motto. Prompt lieferte der Chor die Antwort: "Vom Wasser haben wir´ s gelernt" heißt es im Lied "Das Wandern ist des Müllers Lust" . Es erzählt vom jungen Müllersburschen, der sich auf Wanderschaft begibt. Ein Bach weist ihm den Weg zu einer Mühle, wird von ihm als Ratgeber angesprochen und gerät letztlich zu seinem Totenbett.

Weitaus fröhlicher kommt das Lied von der "Forelle" samt einer Vielzahl von Variationen daher. Eingeführt von Melanie Steiert (Klarinette) und Martin Frey (Klavier) präsentierte sich das bekannte Motiv jeweils verändert durch die Ideen Mozarts, Beethovens, Webers und Wagners und begeisterte das Publikum derart, dass seine Interpretation durchaus als Höhepunkt des ersten Konzertteils gelten konnte. Kaum weniger gefielen den Besuchern jedoch die anderen Stücke. Der Chor besang unter anderem die Liebe, die Weite des Meeres, Venedigs Gondolieri und die Sehnsucht einer Meerjungfrau.

Den Gästen wurde im Bürgersaal ausgezeichnete Unterhaltung geboten. Dazu beigetragen hatten Guido Berg mit einer humorvollen Moderation und ebenso die Solisten Imke Weyers (Sopran), Rita Steiert (Alt), Gregor Becher (Tenor) und Hubert Weis (Bass) — sie glänzten unter anderem in Rossinis "I Gondolieri" — die Klarinettistin Melanie Steiert und die Cellistin Tine Traute. Die Instrumentalisten begleiteten in wechselnder Besetzung den Chor, bei "The Girl from Epanema" brillierte Melanie Steiert solistisch.

Im sechsten Jahr seines Bestehens ist "Chorioso" eine feste Größe im kulturellen Leben Merzhausens. Stets stellt er seine Konzerte unter ein Thema, "Vom Wasser" war geeignet verschiedenste musikalische Epochen und Stile in einem Programm zu vereinigen und einen fröhlichen abwechslungsreichen Abend zu gestalten. Denn wer sich kompositorisch zu Wasser Gedanken macht, lässt fließende und deshalb eingängige Melodien auf dem Notenblatt erstehen, bildet das Plätschern mit auf- und absteigenden Tonreihen ab und wählt für das Ohr angenehme Harmonien.

Das Fazit lautet denn auch: Den knapp 30 Sängerinnen und Sängern von "Chorioso" war ein richtig gutes Konzert gelungen. Das Publikum dankte mit großem Applaus und ließ sich wiederum mit einer Zugabe beschenken. So endete das Konzert nach gut zwei Stunden mit dem wunderschönen Lied "Bridge Over Troubled Water" von Simon & Garfunkel. Die Begleitung durch Klavier, Cello und Klarinette sorgte dabei für eine überraschend schöne Klangkombination.

 die Besucherinnen und Besucher des Chorioso-Konzerts im Merzhauser Bürgersaal. Die schenkten ihr Glauben und riefen erwartungsvoll: "Wasser marsch!" Das ließen sich die Sängerinnen und Sänger nicht zweimal sagen. Angeführt von ihrem Dirigenten Guido Berg marschierten sie ein und legten gleich los mit ihrem Programm "Vom Wasser" .

 

 

 

BZ vom Donnerstag, 17. November 2005
Zwei Chöre - ein Musikgenuss
MERZHAUSEN. Es war ein gelungenes Wagnis, zwei Chöre im Foyer des Rathauses Merzhausen zu präsentieren. Geplant war das Konzert des Merzhauser Chores Chorioso und den Mixed Voices aus Ehrenkirchen ursprünglich im katholischen Gemeinde-zentrum, das kurzfristig aber anderweitig belegt war. Doch die Sänger meisterten nicht nur die muskalischen Anforderungen, sondern wussten auch mit den etwas anderen Raumverhältnissen zurechtzukommen. Die zahlreichen Chorioso-Fans durften sich gleich zu Beginn des Konzertabends aktiv betätigen und die Chomitglieder mit lauten Rufen auf die Bühne bitten. Unter dem Titel "I feel pretty" hatte Dirigent Guido Berg ein Repertoire zusammengestellt, das beide von ihm geleiteten Chöre im Wechsel präsentierten. Zunächst begann Chorioso mit vier Titeln aus West Side Story: "Tonight", dem gefühlvollen Lied der zwei Liebenden, gefolgt vom lebhaften "I feel pretty", gesungen von vier Solistinnen. Auch auf die weiteren Liedinhalte waren die Zuhörer von Chorsprecher Klaus Zimmer, der locker durch den Abend führte, gut eingestimmt und informiert worden. So erklangen "one hand, ohne heart", als die "gespielte" Hochzeitszeremonie von Maria und Tony, und zum Abschluss der Song "America", in dem die puertoricanischen Einwanderer-Mädchen im Wechsel die Vorzüge von Amerika und ihrer Heimat Puerto Rico besingen, mit dem nögtigen Hintergrundwissen. Die Sänger von Mixed Voides aus Ehrenkirchen zeigten ihr Können anschließend mit einer Abfolge aus "Little shop of horrors". Guido Berg erntete einige Lacher, als er mit launigen Worten die Geschichte der fleischfressenden Pflanze mit allerlei Horrordetails schmückte. Im fliegenden Wechsel folgte wieder Chorioso mit zwei wunderschönen Liebesliedern aus "The Phantom of the Opera": "Think of me" und "Wishing you were somehow here again", dem Wunsch, den geliebten Partner noch einmal wiederzusehen. Mixed Voices schlossen sich mit "Home is a special kind of feeling", daheim ist es eben am schönsten, und "My treasure" an, bevor beide Chöre erstmals gemeinsam mit dem Titel "California Dreaming" auftraten. Und das war ein echter Höhepunkt, denn der Klang beider Chöre zusammen war eine wunderbar gelungene Symbiose. Kraftvoll und mit dem Volumen von 75 Sängerinnen und Sängern vorgetragen, begeisterte dieser Titel das Publikum. Nach der Pause präsentierte Mixed Voices zunächst "Intrada a cappella", gefolgt von einem feinfühligen gemeinsamen Kanon "Love may be". "Drink to me only", und das bekannte "The lion sleeps tonight", rhytmisch und dem nötigen Swing von Chorioso, sowie "Night and Day" und "Tequila Samba" von Mixed Voices ließ dann auch den letzten Zuhörer mitwippen. Zum Abschluss bewiesen die beiden Chöre nochmals gemeinsam ihre Stärke. Bei dem Titel "Top of the world" zeigten die Sängerinnen und Sänger, wie viel Spaß ihnen der Chorgesang macht und das Publikum konnte spüren, dass Singen tatsächlich Glücksgefühle freisetzt. Diese hatten sich angesichts der musikalischen Leistung auch bei den Zuhörern eingestellt, die dies durch begeisterten Applaus ausdrückten. Zur guten Atmosphäre des Abends beigetragen hatte auch die junge Pianistin Christine Uhlier mit einer perfekten Begleitung am Flügel sowie in altbewährter Manier Michael Steiert am Schlagzeug. Das Wagnis hat sich also gelohnt.

BZ vom Donnerstag, 16. Juni 2005
Vom kreativen Umgang mit Musik und Sprache
Chorioso bot in Merzhausen "Schräge und andere Lieder"
Von unserem Mitarbeiter Martin Koch
MERZHAUSEN. Wenn der Chor "Chorioso" singt, ist der Bürgersaal im Merzhauser Rathaus voll. Rund 110 Zuhörer ließen sich die Darbietung unter dem Motto "Schräge und andere Lieder" nicht entgehen. Leiter Guido Berg und sein gemischter Chor hatten ein abwechslungsreiches Programm, rund um den kreativen Umgang mit Sprache, auf die Beine gestellt. Eine wichtige Rolle im Programm spielte das deutsche Kabarett weitab der verbreiteten Fernsehgags. Von verliebten Briefmarken, von nach Fliegenleim schmeckendem Kuchen und von nicht näher definierten Suahelischnurrbarthaaren erzählen die Texte von Joachim Ringelnatz. Mit absurd scheinender Ironie beschreibt er den Lauf des Lebens als "Milch verdirbt, Wahrheit schweigt, Kuhmagt stirbt, Geiger geigt". Sieben gesungene Kostproben dieses schrägen, aber einfallsreichen Humors trug der gemischte Chor vor. Tiefschwarze Pointen kennzeichnen die Werke des österreichischen Liedermachers Georg Kreisler. Erinnerte "Die Leisten" als Spiel mit Redensarten noch an Ringelnatz, so schlug der Chor mit "Bidla-Bu" und "Die Hexe" tragisch-groteske Töne an. Einen Casanova, der seine zahlreichen Frauenmorde aufzählt gab Chorleiter Guido Berg im leicht vorgetragenen "Bidla-Bu". Beim tragisch grotesken Chorsatz "Die Hexe" konnte den Zuschauern das Lachen durchaus im Hals stecken bleiben. Ironisch, aber durchaus kritisch, setzt er sich mit Fremdenfeindlichkeit auseinander. Verbindungen zur politischen Realität seiner Zeit hatte Kurt Tucholsky im Sinn. Chorioso besang dessen Rundgang durch den politischen Gemüsegarten der zwanziger Jazre zwischen roten Radieschen und Parlamentsroutine. Von Routine handelt auch Eric Saties "Sonatine Bureaucratique", die Einblick in das Alltagsleben eines Büroangestellten gibt. Das Stück für Sprecher und Klavier sprach der 12-jährige Niklas Berg in perfektem Französisch, die welchselnde Stimmung untermalte Guido Berg am Piano. Es sollte nicht das einzige Sprechstück bleiben. Auch der österreichische Sprachkünstler Ernst Jandl war vertreten. Auch wenn seine Werke auf den ersten Blick verwirrend erscheinen - eine gewisse Faszination ging von den aneinander gereihten Sprechlauten aus. Da glaubt man bei den ineinander verwobenen "Bla"-, "Bah" - "Bäh" - Lauten im "Talk" tatsächlich die Persiflage einer Fernsehsendung zu erkennen. Oder bei "Der Blitz" Zeuge eines Naturereignisses zu sein - rein auf sprachlicher Ebene versteht sich. Der gastgebende Chor wusste sein Publikum auf dieses ungewöhnliche Vergnügen vorzubereiten. Zuvor stand auch die 36 Sekunden lange "Quantitativa" des finnischen Komponisten Tautavaara auf dem Programm, außerdem durften auch das Publikum mitmachen. Beim im Wechsel vorgetragenen rhytmischen Dialog "Wer hat den Keks aus der Dose geklaut" konnten sich die Zuhörer auf die Wortkunst à la Jandl einstimmen. Mit viel Applaus des Publikums wurde der Chor verabschiedet.

BZ vom 11. November 2004
Mit viel musikalischem Feingefühl
Der Merzhauser Chor Chorioso servierte seinen Gästen einen buten "Insalata Italiana"
MERZHAUSEN (Ulrike Derndinger) Wie ruft man einen Chor italienisch auf die Bühne ? Natürlich mit einem lauten und bestimmten "Avanti!" Und tatsächlich funktionierte die Aufforderung des Publikums an den Merzhauser Chor "Chorioso", der am Samstagabend im Bürgersaal ds Rathauses ein Konzert gab. Die Zuhörer kamen in den Genuss von italienischen Liedern aus dem 16. Jahrhundert bis in die Moderne, zusammengewürfelt ganz wie in einem "Insalata Itanliana", was auch das Motto des Konzertabends war. Nach der zweisprachigen Begrüßung begann der Chor mit dem Liebeslied "Questa Dolce Sirena". Die folgende Liebeserklärung "O Occhi, Manza Mia" von Orlando di Lasso hatte es textlich in sich. Den der italienischen Sprache Unkundigen übersetzte der Chorleiter Guido Berg den für heutige Ohren ungewöhnlich romantischen Text: "Oh Augen, mein Kälbchen, goldene Wimpern, strahlendes Mondgesicht. Schau mich an, meine Liebe, mach mich glücklich!" Auch das Duett "Mi Voglio Far Intendere", schön gesungen von den Chormitgliedern Imke Weyers (Sopran) und Rita Steiert (Alt) wurde dem Publikum erklärt. "Es ist ein musikalisches Duell zwischen zwei Frauen. Ein Mann hat ihnen die Liebe geschenkt. Welcher aber zuerst ? Eine der Frauen beabsichtigt zum Gericht der Liebe zu gehen, damit diese die Liebe zurückgibt", erklärte Klaus Zimmer. Auch Rossini gab der vor vier Jahren gegründeteCchor zum Besten. "La Pesca", ein erfrischendes Duett mit Bettina Lieke und Rita Steiert war der Auftakt der Rossini-Trilogie. Das Quartett mit Bettina Lieke, Rita Steiert, Imke Weyers und Bettina Meisner "La Charité", handelt von der idealisierten Liebe mit der die Seele im humanistischen Sinne gestärkt werden solle. Das dritte Lied von Rossini Quartetto Pastorale" bildete den Abschluss des ersten Programmteils. Dirigent Guido Berg spielte jedoch vor dem letzten Quartett noch ein Interludium von Giovanni Scarlatti aus dem 16. Jahrhundert. Zu diesem Komponisten erzählte er eine interessante Hintergrundgeschichte: "Er hat neue Klaviertechniken entwickelt, zum Beispiel Sprünge in zwei Oktaven mit der linken Hand oder das Überkreuzspiel. Zu einem bestimmten Zeitpunkt hat er diese Technik eingesetzt. Und zu einer ganz bestimmten Zeit wieder aufgehört. Warum ? Weil er zu dick geworden war und so nicht mehr die Hände über dem Klavier kreuzen konnte." Die Parodie auf die italienische Oper "Insalata Italiana" beinhaltete sämtliche musikalischen Anweisungen von "piano" bis "fortissimo", was mit vollem Körpereinsatz der Sänger und Sängerinnen inszeniert wurde. Den ganzen Abend über fand sich das Publikum musikalisch sehr gut unterhalten mit immer wieder dazwischen blitzenden humorigen Informationen und Hintergründen über Lied und Komponist. Man bemerkte, dass der leise Humor und das musikalische Feingefühl des Dirigenten Guido Berg überspringt auf die Sänger und Sängerinnen von Chorioso. Da kann man nur ein Urteil über das Konzert fällen:"Glosioso!"

BZ vom Mittwoch, 19. Mai 2004
"Gospels passen in den Kirchenraum"
Gute Laune beim Konzert des Merzhauser Chores "Choriso"
MERZHAUSEN (MEU). Einen Gottesdienst ganz anderer Art bot der Merzhauser Chor "Chorioso" in der Evangelischen Johanneskirche in Merzhausen. Anstelle der Predigt eines Pfarrers überbrachten an diesem Abend 35 motivierte Sängerinnen und Sänger der Gemeinde Merzhausen die Botschaft der Großartigkeit Gottes, wie Chorsprecherin Joan Brüggemeier am Anfang betonte. "Gospels klingen nicht nur gut, sie sind aus aussagekräftig und passen in den Kirchenraum", so stellte sie das Programm vor. Dass es sich aber dennoch nicht um einen Gottesdienst, sondern um ein unterhaltsames Chorkonzert handelte, verriet der Beifall des Publikums, den sich Guido Berg, Leiter des Chors, wirklich verdient hatte. Guido Berg leitet den Chor seit drei Jahren. Damals war "Chorioso" aus dem Männergesangverein Merzhausen hervorgegangen und hatte sich selbständig gemacht. "Einfach Spaß am Singen haben und statt schwerer, bedrückender Chorwerke ungezwungen moderne, lockere Musik machen - alles mal ausprobieren", so lässt sich das Motto des Chores beschreiben. Seitdem proben die Chormitglieder ein mal pro Woche, sei es für einen eigenen Konzertabend oder für diverse Auftritte, wie zum Beispiel für den Besuch in der Tumor-biologie, um den Patienten dort Mut zu machen. Mut machen konnte "Chorioso" auch allen Zuschauern an ihrem Gospelabend. "He's got the whole world in his hands" - Gott hat die ganze Welt in seiner Hand, seine Liebe steht allen offen, das war das Thema des ersten Programmteils. Die Sehnsucht nach einem beseren Leben und die Gewissheit auf ein Leben in Frieden und Gerechtigkeit nach dem Tod waren Inhalt der dargebotenen Gospels und Spirituals, die in der Sklavengesellschaft in Amerika entstanden waren und den Geplagten Hoffnung schenken sollten. Die positiven Dinge im Leben zu sehen - "All things bright and beautiful" - das forderten die Lieder, die "Chorioso" mal einfühlsam in Form von Soli oder peppig und mitreißend gemeinsam sangen. Besonders dem Chorleiter Guido Berg gelang es mit seinem Sologesang und lockeren Dirigieren das Publikum zu unterhalten und es durch Mitsingen mit in das Programm einzubeziehen. Der Konzertabend des "Chorioso" war durch eine aufgelockerte Atmosphäre geprägt, so dass spätestens nach der Einladung der Chormitglieder auf ein Glas Wein im Anschluss an das Konzert niemand mehr ohne gute Laune nach Hause ging.

BZ vom Mittwoch, 29. Oktober 2003
Mit viel Schwung durch den Abend
MERZHAUSEN (ekm) Mit den Worten "Wir reden nicht lange, wir singen" empfing Chorleiter Guido Berg die zahlreichen Besucher zum Konzert des gemischten Chores "Choriso". Dieses Mal stand die Veranstaltung unter dem Motto "I got Rhythm".
Schon nach dem ersten Song war klar, dass das Publikum im wahrsten Sinne des Wortes mitgerissen wurde. Für rund zwei Stunden sorgte der 35-köpfige Chor mit Liedern wie "Copacabana" und Tequila Samba" für lateinamerikanisches Feeling in den vier Wänden des Pfarrzentrums St. Gallus in Merzhausen. Neben dem "Ohrenschmaus" wurde einem durch die Tanzeinlagen von Anna Knieß und Hannes Kameniesch, Tänzern des Regio-Tanzclubs Freiburg, etwas fürs Auge geboten. Professionell gab das Tanzpaar Samba, Cha-Cha-Cha und Rumba zum Besten. Während der Pause kam auch der Gaumen wegen der liebevoll zubereiteten "Samba-Brötchen", Cha-Cha-Cha Schnittchen und Häppchen mit "Swing" nicht zu kurz.
Nach der kurzen Auszeit ging es nicht weniger schwungvoll weiter. "Dieses Mal war es für uns eine besondere Heraus-forderung, da alle Texte auf Englisch zu singen waren", verriet Guido Berg. Zum Schluss forderten die begeisterten Besucher die Sänger auf, Zugaben zu bringen, ohne zu ahnen, dass sie von Chorleiter Guido Berg miteinbezogen würden. Schließlich beendeten alle gemeinsam, Akteure sowie Zuhörer, das Konzert mit dem Refrain zu "Un poquito cantas". Nach der offziellen Veranstaltung luden die Sänger jeden zum anschließenden Umtrunk ein, der den Abend gemütlich ausklingen lassen oder weitere Informationen einholen wollte. Die Grundidee des Projektchores sei, nach Guido Bergs Ansicht, aus der Feststellung heraus entstanden, dass feste Vereinschöre einen eher schlechten Zulauf verzeichnerten. Der Projektchor stelle für viele eine, seit dem Jahr 2000 bestehende, Alternative dar. "All diejenigen, die gerne singen, sich aber nicht mit einer Vereinsmitgliedschaft binden wollen, sind bei uns jederzeit herzlich willkommen", laut Guido Berg. Wenn man Spaß daran habe, könne man natürlich dabei bleiben. Über die Jahre hinweg hat sich auf diese Weise eine Gruppe von 35 Teilnehmern zusammengefunden, die sich inzwischen regemäßig einmal die Woche zu Proben trifft. "Wir betrachten uns als modernen Chor, der eher zu Themen wie Abba als zu Klassik neigt und freuen uns über jeden Neuzugang von nah und fern", so der Chorleiter

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